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Schwung: Newsletter April-Juni 2026
Liebe Leserin, lieber Leser,
ich konnte es kaum glauben: Das habe ich vor Jahrzehnten geschrieben?
Im letzten Newsletter berichtete ich von LaTeX, einer Art programmierbarer Textverarbeitung für akademische Anforderungen, in die ich mich gerade einarbeite, um darin wissenschaftliche Texte lektorieren zu können. Sie bewältigt mühelos Aufgaben, die Word überfordern, verlangt aber auch Programmiergeschick, auf das ich praktischerweise zurückgreifen kann.
Um Schreibgefühl und Schmerzpunkte meiner Zielgruppe selbst nachzuvollziehen, habe ich ein Kapitel meiner Diplomarbeit nach LaTeX übernommen – mit allem, was dazugehört: Zitate, Fußnoten, Exkurse, Verweise, Register, Glossar, Bibelstellenverzeichnis. Das Kapitel betrachtet Martin Bubers Buch „Ich und Du“. Er beschreibt darin die unterschiedliche Art von Beziehungen zu anderen Menschen: Der funktionalen, distanzierten Ich-Es-Beziehung steht die erfüllende, verändernde Ich-Du-Beziehung gegenüber. Ein Mensch kann für mich ein Es sein, wenn es ein gemeinsames Ziel zu erreichen gibt, das Zusammenkommen also ein Mittel zum Zweck ist. Einem Du begegne ich dagegen unmittelbar, ganzheitlich, absichtslos.
Die Tragik des Internets
Da stand also dieses Buber-Zitat in seiner ganzen Radikalität auf dem Monitor und stach mir ins Auge: „Das Du ist mittellos. Die Beziehung zum Du ist unmittelbar.“ Diese Worte sind 100 Jahre alt – und hochaktuell! Mittellos – ohne Mittel – heißt doch auch: Ohne digitale Kommunikationsmittel. Schlagartig erfasste ich die Tragik des Internets.
Wenn ich mich in Bus und Bahn umschaue: Überall gesenkte Köpfe und flinke Daumen. Das Smartphone ist nicht nur die Fernbedienung für die ganze Welt, sondern auch die Verbindung zur ganzen Welt. Das prägt unseren Alltag: Man kommuniziert intensiv – aber meist mit jemandem, der woanders ist. Kommunikation, Begegnung, Zugehörigkeit – diese Bedürfnisse sitzen tief in uns. Das Internet bietet ein Maß an Kommunikationsmöglichkeiten wie noch nie in der Geschichte der Menschheit.
Und doch lässt uns all das Kommunizieren innerlich leer. Buber sagt uns, warum: Das zwischengeschaltete Kommunikationsmittel macht die Begegnung mittelbar. Sie ist nicht mehr unmittelbar wie eine Begegnung von Angesicht zu Angesicht. Mein Kommunikationspartner wird auf dem Display des Smartphones unweigerlich zum Es – auch wenn ich ihn als Du kenne.
Am Du zum Ich werden
Wenn mehr desselben nicht mehr Erfüllung bringt, dann droht eine Suchtspirale. Der Ausweg besteht nicht in noch mehr Kommunikationsmitteln, sondern im bewussten Suchen unmittelbarer Begegnungen, von denen wir noch lange zehren können. Solche Begegnungen verändern etwas in uns, denn wir sind daran als ganzer Mensch beteiligt. Buber formuliert das so: „Ich werde am Du; Ich werdend, spreche ich Du.“ Ja, er sagt tatsächlich: Erst am Du werde ich zum Ich.
Der Mensch ist so sehr ein Beziehungswesen, dass er ohne ein Du kein Ich sein kann. Hier liegt auch der Grund, warum Coaching funktioniert: Es gibt ein Du, das mich dabei begleitet, das Ich zu werden, zu dem ich berufen bin. Leider geht heute vielen die Unmittelbarkeit der Ich-Du-Begegnung zu nahe. Schon das Telefonieren ist manchem zu unmittelbar – was ausgesprochen ist, kann man nicht mehr editieren oder löschen.
Das Es ist Gegenstand, das Du ist Gegenwart, schreibt Buber. Die zeitlose Gegenwärtigkeit des Du gibt es nur im zweckfreien Hier und Jetzt. Sobald das Smartphone dazwischenfunkt, wird das Du wieder zum Es. Wir leben überwiegend im Es-Modus, und Buber kritisiert das nicht. Aber wir brauchen immer wieder auch Inseln des Du, wenn die Seele nicht verhungern soll. Nehmen wir uns doch öfter Zeit für Begegnungen, die keinen anderen Zweck als die Begegnung selbst haben!
Herzlichst,
Ihr Reimar Lüngen
„Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“
– Martin Buber
Inhalt
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Termine und Infos
Auch in der Sommerzeit stehe ich für Coaching zur Verfügung. Eine längere Abwesenheit ist nicht geplant. Eventuell gönne ich mir in nachfrageschwachen Wochen die eine oder andere Auszeit. Die Reaktion auf E‑Mails oder Anrufe kann dann ein paar Tage länger dauern.
Als Lektor verlege ich derzeit meinen Schwerpunkt ganz auf das Wissenschaftslektorat direkt in LaTeX, dem schon erwähnten wissenschaftlichen Textsatzsystem. Hier kann ich mit meinen früheren Programmierkenntnissen punkten und eine Marktlücke bedienen. So müssen die Autoren ihre Texte für das Lektorat weder umständlich nach Word konvertieren noch meine Änderungen zurück nach LaTeX übertragen.
Angebot: Wenn Sie Ihren Text korrigieren oder lektorieren lassen wollen, tue ich das für Sie als Leser dieses Newsletters gern auch in Word. Sprechen Sie mich einfach an.
Mehr Infos zum Wissenschaftslektorat:
www.lektorat-luengen.de (online spätestens ab Mitte Juli)
E‑Mail: info@lektorat-luengen.de
Infos zum allgemeinen Berufungscoaching:
www.klaarkimming.org
Infos zu Berufungscoaching auf biblischer Grundlage:
www.cfc-info.de
Dieser Newsletter in neuer Rechtschreibung.
Wenn Sie ihn lieber in der alten Rechtschreibung lesen, schauen Sie
hier.
Als Lektor bin ich der neuen Rechtschreibung verpflichtet. Als Autor nutze ich gern die
klassische, „alte“ Rechtschreibung, weil ich sie als ästhetischer und
lesefreundlicher empfinde.
23.06.2026