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Schwung: Newsletter Januar-März 2026
ich habe mich geirrt. Ob als Programmierer oder Korrekturleser – es muß perfekt sein, ohne Fehl und Tadel. Da neigt man schon zur Perfektion. Perfektion, so dachte ich, sei Ausdruck der Sehnsucht nach Vollkommenheit – nach der ultimativen Steigerung von Perfektion. Doch Vollkommenheit gebe es auf dieser Welt nicht. Nur Gott sei vollkommen. Ein Dialog mit einer künstlichen Intelligenz half mir zu einem völlig neuen Blickwinkel.
Eigentlich hatte ich eine Frage zu Fachbegriffen der Statistik. Dabei kam die Rede auf die gaußsche Glockenkurve. Sie entsteht bei so ziemlich allem, was man in der lebendigen Welt messen kann, etwa der Körpergröße. Trägt man die Meßwerte einer genügend großen Stichprobe in ein Diagramm ein – auf der waagerechten Achse die Körpergröße, auf der senkrechten die Anzahl der Individuen mit der jeweiligen Körpergröße –, dann entsteht die typische Glockenkurve: Die meisten Menschen sind mittelgroß. Hier hat die Glockenkurve ihren höchsten Punkt. Zu den Seiten, also in Richtung kleinerer oder größerer Menschen, fällt sie mehr oder weniger steil ab und läuft dann sanft aus.
Norm und Abweichung
Der höchste Punkt der Kurve stellt das Normal dar, die nach beiden Seiten abfallenden Kurventeile zeigen die Abweichung: Je weiter außen, desto größer die Abweichung. Die Glockenkurve hilft, die natürliche Vielfalt statistisch „in den Griff“ zu bekommen, indem man ihre Mitte sichtbar macht. Mitte und Abweichung seien, so die KI, eine Art universeller Bauplan der Natur. Jetzt wurde es spannend: Das klang nicht mehr nach trockener Statistik! Ich liebe solche KI-Dialoge, die das Thema immer weiter anreichern und vernetzen.
Warum ist das mit der Vielfalt so? Welchen Vorteil hat das? Die Vielfalt des Lebendigen schafft Beständigkeit. Eine Gemeinschaft von Lebewesen kann sich dank individueller Abweichungen besser an veränderte Bedingungen anpassen. Wären alle Individuen gleich, dann würden veränderte Bedingungen sie alle gleichermaßen gefährden. Individuelle Abweichungen hingegen schaffen Vorteile für einen Teil der Gemeinschaft, der den anderen Artgenossen Schutz und Überlebenschancen schaffen kann. Die Ränder der Glockenkurve sorgen dafür, daß das Leben anpassungsfähig bleibt.
Abweichung ist auch das, was Kreativität ausmacht: Etwas anders zu machen, als „man“ es macht, von der vorgegebenen Regel abzuweichen – versehentlich oder absichtlich –, schafft Neues und Unerwartetes. Der Versuch, es perfekt zu machen, führt dagegen nur zu mehr desselben.
Schönheit und Wert
Die Glockenkurve ist nicht nur in den Augen der Mathematiker elegant, sie ist das universelle Herzstück der Schönheit. Ein Wald, dessen Bäume alle gleich aussähen, wie am Fließband gefertigt, wäre langweilig und statisch. Erst die „malerische“ Vielfalt der Bäume schafft den lebendigen Eindruck von Reichtum und Schönheit.
Jedes Gesicht besteht gleichermaßen aus Augen, Mund und Nase – und wenn es ebenmäßig und makellos ist, ist es perfekt. Doch erst Sommersprossen oder Lachfältchen machen es schön. Erst Abweichung und Asymmetrie ermöglichen es uns, die Menschen zu unterscheiden und zu erkennen. Ich habe von Leben und Leid gezeichnete Gesichter gesehen, die gerade in ihrem Gezeichnetsein eine unerklärliche, zutiefst berührende Schönheit ausstrahlten.
Viele Menschen leiden darunter, anders zu sein: Irgend eine Eigenschaft oder Fähigkeit weicht stark von dem ab, was als „normal“ gilt. Hochsensible wissen ein Lied davon zu singen. Aber: Je größer die Abweichung, je „randständiger“ die Eigenschaft (wie die Statistiker sagen), desto seltener ist sie – und damit auch wertvoller. Etwas bekommt dadurch Wert, daß es selten ist. Das Seltene ist näher am Unikat, als am Normal.
Statistik und Psyche
Leider prallen hier statistische Realität und menschliche Psyche aufeinander: Die Vielfalt der Ränder verunsichert, das Normal führt zur Normierung, der Mittelwert wird zum Werturteil. Das Ergebnis ist Ausgrenzung. Das Besondere gilt als schwach oder krank und kann seinen Nutzen für die Gesellschaft nicht entfalten. Uns entgeht die lebendige Fülle, die aus Mitte und Abweichung entsteht. Wahre menschliche Reife bedeutet, das Normal als verbindendes Element zu schätzen, ohne die Variation als Bedrohung zu empfinden.
Heute staune ich, wo ich das Prinzip von Mitte und Abweichung überall entdecke: In der Musik ist es das Vibrato, das Schwingenlassen des Tons um seine Mitte, das ihn voller und lebendiger klingen läßt. In der Fotografie ist es das Spiel mit Schärfe und Unschärfe, das dem Motiv Raum und Lebendigkeit verleiht. Es gibt zunehmend Anzeichen einer Bewegung weg von der sterilen Glätte des Smartphone-Displays, zurück zur unperfekten Stofflichkeit der analogen Welt, zum Knistern der Vinyl-Schallplatte, zum Korn des analogen Films, zu Begegnungen im echten Leben.
Zum Schluß überraschte mich die KI mit einer ganz unerwarteten Zusammenfassung: Vollkommenheit sei nicht die Abwesenheit von Fehlern, sondern die Anwesenheit von Fülle. Entdecken wir doch gerade jetzt im Frühling mit offenen Augen diese sich entfaltende Fülle, in der alles drin ist.
Herzlichst,
Ihr Reimar Lüngen
„Leben heißt, sich wandeln, und vollkommen sein heißt, sich oft gewandelt zu haben.“
– John Henry Newman
Inhalt
> Termine und Infos
> Feinschliff für Ihren Text
Termine und Infos
Für Coaching stehe ich weiterhin zur Verfügung. Unglückliche politische Entscheidungen und weltweite Konflikte belasten Wirtschaft und Stellenmarkt. Anlaß für Berufungscoaching sind nun seltener Stellen- oder Berufswechsel. Es geht zunehmend darum, wie man als hochsensible Person auf wenig erfüllenden oder belastenden Positionen ausharren kann, ohne daß Körper oder Seele Schaden nehmen.
Als Lektor lerne ich schon wieder dazu: Angesichts meines leidenschaftlichen Interesses für wissenschaftliche Themen spezialisiere ich mich derzeit auf das Wissenschaftslektorat, also die Korrektur wissenschaftlicher Arbeiten. Das umfaßt auch ein in den MINT-Fächern gern genutztes Textsystem namens LaTeX, das die Arbeit mit Formeln, Fußnoten und Literaturverzeichnissen vereinfacht.
Wer im gerade beginnenden Semester eine Abschlußarbeit schreibt – ich stehe als Korrekturleser zur Verfügung. Doch auch „gewöhnliche“ Korrekturaufträge nehme ich gern an. Und wenn Ihnen die gewohnte Ästhetik der alten Rechtschreibung lieber ist als die manchmal recht sperrige neue Rechtschreibung, sind Sie bei mir ebenfalls an der richtigen Adresse.
Feinschliff für Ihren Text
Ob Infoflyer oder Bewerbung, ob Blogartikel oder Masterthesis: Klare und fehlerfreie Sprache, aber auch „stimmige“ Typographie machen es dem Leser leichter und wecken sein Vertrauen in die Kompetenz des Autors. Auch wenn der Leser diese Begleitfaktoren kaum bewußt wahrnimmt – ihre Wirkung können wir gar nicht hoch genug einschätzen.
Eigene Texte zu korrigieren, ist jedoch schwierig: Man hat zu wenig Abstand dazu. Automatische Korrekturtools sind nützlich, können aber den menschlichen Korrekturleser nicht ersetzen, wenn Rechtschreibung und Zeichensetzung von inhaltlichen Feinheiten und Betonungen abhängen. Für hohe Qualitätsanforderungen lohnt es sich, ein zweites Paar Augen auf Ihren Text schauen zu lassen.
Ich bin für Sie da – von einfachem Korrekturlesen bis zu umfassendem Lektorat: Für Alltagsthemen, für komplexe wissenschaftliche Schnittstellenthemen, gern auch für Themen rund um Bibel, Glauben, Seelsorge, Psychologie und Hochsensibilität. Derzeit gelten günstige Einführungspreise!
Mehr Infos zum Lektorat:
www.lektorat-luengen.de
Spezielles Angebot für Studenten:
www.lektorat-luengen.de/studium
E-Mail: lektorat@rluengen.de
Infos zum allgemeinen Berufungscoaching:
www.klaarkimming.org
Infos zu Berufungscoaching auf biblischer Grundlage:
www.cfc-info.de
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27.03.2026
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