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Themen

Wirtschaftzyklen
Quelle: Erik Händeler, Die Geschichte der Zukunft (Ausschnitt)

Mein erstes Seminar 2009 hieß: „Mit Schwung aus der Krise“. Es stieß auf große Resonanz. Deshalb entstand hier eine Sammlung etwas anderer Hintergrundinformationen zur Wirtschaftskrise, wie sie in der Mainstream-Presse nur schwer zu finden sind. Ziel war nicht, Krisenstimmung zu schüren, sondern (teils auch pointiert) weiteres Verständnis für die Vorgänge in Wirtschaft und Politik zu wecken, Zusammenhänge sichtbar zu machen und alternative Sichtweisen aufzuzeigen. Und das um so mehr, weil die Medien eher oberflächlich und zurückhaltend über die Krise berichten.

Anfang 2011 entschloß ich mich aus verschiedenen Gründen, diese Informationssammlung nicht weiterzuführen. Statt dessen gehe ich im Newsletter gelegentlich auf aktuelle Aspekte der Entwicklung ein. Ungeachtet dessen sind die aufrüttelnden und ermutigenden Informationen aus dem früheren Seminar „Mit Schwung aus der Krise“ immer noch hochaktuell. Sie sind inzwischen komprimiert und aktualisiert in neue Seminare eingeflossen, beispielsweise im „Spannungsfeld zwischen Beruf und Berufung“. Ebenso aktuell sind auch immer noch viele der hier gesammelten Informationen, die ich deshalb auch weiterhin hier stehen lasse.

Im Herbst 2012 brodelt die Krise um Deutschland herum nach wie vor – nun vor allem als Schulden- und Eurokrise. Mit dem gigantischen Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM will die EU ihr endlich ein für alle Mal Kontra bieten. Doch der ESM ist heftig umstritten und umkämpft. Kritiker fürchten, er würde das Ende der Demokratie in Europa und das finanzielle Ende Deutschlands als Nationalstaat bedeuten. Die Diskussion spitzt sich zu, wir laufen auf eine Schicksalsentscheidung zu. Das ist Grund genug, an dieser Stelle wieder Informationen zu ergänzen. Nachdem ich den ESM mehrmals – ungern – im Newsletter thematisiert habe, gibt es nun statt dessen wieder hier in loser Folge Informationen über weitere Entwicklungen.


(Herbst 2012)
ESM: Ende der Demokratie?

– Nachrichtenpause –

(Winter 2010/2011)
Leistungsdruck: Immer mehr Fehlzeiten
Überraschung: Geburtenzahl steigt
Schulden: Wenn keiner mehr den Staaten Geld leihen will
EU-Domino: Steht die Reihenfolge fest?
Arbeitsmarkt: Fachkräfte doch nicht knapp?
(Herbst 2010)
Währungskrieg: Zerstörung der Kaufkraft
Arbeitsmarkt: Fachkräfte knapp
Psychosoziale Krise: Klinikchefs schlagen Alarm
Hartz IV: 5 Euro mehr vom Staat
UBS: Existenz des Euro in Gefahr
US-Schulden: Vertrauen in Dollar schwindet
Kleptokratie Staatsräson: Flugsteuer und andere Gemeinheiten Gebühren
(Sommer 2010)
Finanzkrise: Maulkorb für Presse
Staatsschulden: Wieviel sind 1,7 Billionen?
Währungsreform: Weichwährung Euro
Kraftprobe: Staaten gegen Banken
Ebay: Höchstpreise für Buch über Inflation
(älter oder zeitlos)
Matthias Horx 2008: Vier Krisenszenarien
Verschwiegen: Keynes kritisiert Keynes
Hintergrund: Das Grundproblem des Euros
Der Euro: Ein moderner Götze?
Humor: So entstand die Krise


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ESM: Ende der Demokratie?

(September 2012) In den 6 Sekunden, die Sie zum Lesen dieses Satzes brauchen, sind die Schulden Deutschlands um über 8000 Euro gewachsen. Ende Juni 2012 gab das Statistische Bundesamt in Wiesbaden die neuesten Verschuldungszahlen bekannt. Es waren trotz sprudelnder Steuereinnahmen zum Ende des ersten Quartals 2042 Milliarden Euro – das sind 2042 mal 1000 Millionen Euro. Pro Sekunde wächst die deutsche Schuld um 1335 Euro ... Sekunde für Sekunde.

Selbst das Musterland der Eurozone bietet also ein desolates Bild. Dennoch ringt die Politik gegen zunehmenden Widerstand aus dem Volk, wie auch von Finanz- und Rechtsexperten, doch endlich den Mega-Rettungsschirm ESM auf den Weg zu bringen. Der aber sei, wie der Bund der Steuerzahler sagt, die Fortsetzung der bisherigen Schuldenpolitik mit unbegrenzten Kreditmitteln. Der ESM sei eine Kreditmaschine für die Ewigkeit. Im Maschinenraum stehe der deutsche Steuerzahler, eine Arbeitsniederlegung sei vertraglich ausgeschlossen.


Was für den ESM spricht

Der ESM gibt den Schuldnerländern unbegrenzten Zugriff auf deutsche Steuergelder – und verleiht ihnen deutsche Bonität. Im Gouverneursrat des ESM hat Deutschland nur eine Mehrheit von 17 Stimmen und kann deshalb problemlos überstimmt werden. Warum steuert die Großzahl deutscher Politiker trotzdem unbeirrt wie die Lemminge auf den finanziellen Abgrund zu?


Was gegen den ESM spricht

Und warum formiert sich immer stärkerer Widerstand gegen den ESM? Eine Behörde, die mit unbegrenzter Macht in einem praktisch rechtsfreien Raum operiert, bedeutet das Ende der Demokratie in Europa, vielleicht sogar – wie manche Kritiker befürchten – den Beginn einer europaweiten Finanzdiktatur. So, wie das ESM-Gesetz formuliert ist, bedeutet es das finanzielle Ausbluten der Geberländer – und damit Armut breiter Bevölkerungsschichten.

In aller Eile haben Bundestag und Bundesrat im Juni den ESM durchgewunken – einige Politiker haben, wie inzwischen bekannt geworden ist, zugestimmt, ohne den ESM-Vertrag überhaupt gelesen zu haben. Klagen beim Bundesverfassungsgericht schieben die abschließende Unterschrift des Bundespräsidenten noch auf. Am 12. September entscheidet das Bundesverfassungsgericht – Beobachter fürchten, daß es grünes Licht für den ESM geben wird. Eine demokratische Entscheidung könnte dann, wie das Ermächtigungsgesetz vor 80 Jahren, der Demokratie ein Ende setzen.


Was Sie tun können

Ich thematisiere den ESM ungern so breit, doch es ist derzeit ein Schicksalsthema: Nach dem 12. September könnte das weitere Schicksal Deutschlands und Europas entschieden sein. Wir alle sind betroffen: Eine Finanzdiktatur würde uns zu gläsernen Finanzbürgern machen und könnte uns willkürlich gängeln, wie es Hartz IV schon tut. Sie könnte mittels Internet und persönlicher Steuernummer direkt in unser aller Leben bis ins letzte Detail finanziell eingreifen – und daraus abgreifen. Wenn Ihnen das Unbehagen bereitet, und Sie noch Ihre Stimme gegen den ESM erheben wollen, dann können Sie das z.B. über die unten angegebenen Links tun. Es ist vielleicht die letzte Gelegenheit, der Politik zu signalisieren, daß die Bevölkerung nicht hinter ihr steht.

Und wenn das alles den ESM nicht aufhalten kann? Dann haben wir es wenigstens versucht und können uns später keine Vorwürfe machen. Dann werden wir das Beste aus der Situation machen und für die Zeit danach vorarbeiten. Denn es wird auf jeden Fall ein Danach geben. Wenn Sie mein „Spannungsfeld“-Seminar besucht haben, wissen Sie: Nach jeder Krise geht es wieder aufwärts. Sie wissen auch, wo sich das Anpacken lohnt. Vielleicht liegen noch einige schwierige Jahre vor uns. Unser Reichtum aber ist nicht unser Geld, sondern das, was in uns steckt. Und das kann uns niemand nehmen.

Wenn Sie sich über diese Links engagieren, dann tun Sie es im Sinne von Vaclav Havels Worten: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, daß etwas gut ausgeht, sondern die Gewißheit, daß etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“

Hier die Links zu den Initiativen:
Stop ESM: Initiative des Bundes der Steuerzahler Bayern
Abgeordneten-Check: Direktmails an Abgeordnete

Die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler finden Sie hier.


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Hintergrund: Was die Krise verschlimmert

(September 2012) Im September-Newsletter 2012 schreibe ich, daß wir zwar „planmäßig“ in einer Krise stecken, aber daß viele gesellschaftliche Faktoren hinzukommen, die sie verschlimmern. Zur Erläuterung an dieser Stelle einige Beispiele dazu:

In unserer Zeit treffen zwei gegenläufige Entwicklungen aufeinander: Die jahrhundertelang bewährten gesellschaftlichen Werte, die uns stark gemacht haben, werfen wir über Bord. Vergleichsweise kurzfristige Denklösungen, die einmal funktioniert haben, halten wir dagegen fest und setzen sie damit absolut. – Um die Krise zu bewältigen, brauchen wir wieder bewährte, tragfähige Werte als gesellschaftlichen Unterbau, verknüpft mit einem radikalen Umdenken für neue, pragmatische Lösungen.


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– Nachrichtenpause –


Leistungsdruck: Immer mehr Fehlzeiten

(Januar 2011) Jeder fünfte Erwerbstätige leidet unter psychischen Störungen. Das hat die Techniker-Krankenkasse Ende Januar mitgeteilt. Auslöser sei meist der steigende Druck am Arbeitsplatz. Termindruck, ständige Erreichbarkeit und „SMS-Flut“ führten zu chronischer Erschöpfung. Die Folge: Abnehmende Motivation und Einsatzfreude, sinkende Leistungsfähigkeit, lange Ausfallzeiten.

Vor allem Führungskräfte und engagierte Mitarbeiter sind betroffen – also die Leistungsträger der Unternehmen. Die Fehlzeiten stiegen in den vergangenen vier Jahren um ein Drittel. Der Schaden für die Wirtschaft ist enorm. Eine Anzahl größerer Unternehmen steuert mit „betrieblichem Gesundheitsmanagement“ gegen: Gesündere Mitarbeiter bedeuten weniger Fluktuation, höhere Produktivität und größere Gewinne. Die Vielzahl kleinerer Unternehmen scheut dagegen noch weitgehend die dafür nötigen Investitionen.

> Auch die Zeitschrift „Psychologie heute“ nimmt sich des Themas in der aktuellen Ausgabe an. Sie nennt als weiteren Faktor den Verlust von Sicherheit durch immer häufigere Umstrukturierungen. Nicht nur Entlassene, sondern auch die im Unternehmen „Überlebenden“ leiden darunter gesundheitlich. Besonders häufig betroffen: Banken, Versicherungen, Gesundheitswesen und öffentlicher Dienst. Die Versuche, die Produktivität durch steigende Arbeitsintensität zu steigern, führen regelmäßig zu Produktivitätsverlust. Vorschläge, wie die Betriebe gegensteuern könnten: Mehr Zeitautonomie, weniger Störungen, angemessenes Feedback, keine widersprüchlichen Anforderungen.

Quellen: RP-Online, Psychologie heute

Lesen Sie dazu auch: So begegnen Sie der Tyrannei der E-Mails.


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Überraschung: Geburtenzahl steigt

(Dezember 2010) Ob trotz Krise oder wegen der Krise: Die Geburtenzahl in Deutschland stieg 2010 kräftig an. Nach vorläufigen Zahlen nennt die Süddeutsche Zeitung einen Zuwachs von 3,6 Prozent oder fast 20.000 Babys mehr. Solch einen Zuwachs habe es seit 2000 nicht mehr gegeben. Erstaunlich sei der Geburtenzuwachs vor allem wegen der kontinuierlich sinkenden Zahl der potentiellen Mütter. Im vorangegangenen Jahr war die Geburtenzahl auf ein Rekordtief gesunken: 2009 kamen nur knapp halb so viele Kinder zur Welt wie im Rekordjahr 1964.

Aufgrund der anhaltend negativen Entwicklung der letzten Jahrzehnte sah man die Deutschen schon aussterben und diskutierte über verstärkte Zuwanderung aus dem Ausland. Ob aus der Entwicklung von 2010 eine generelle Trendwende wird, bleibt abzuwarten. Die Geschichte hat jedoch immer wieder gezeigt, daß auch die scheinbar stabilsten Trends plötzlich gebrochen werden können. Andere Entwicklungen können eine Dynamik annehmen, die die kühnsten Hochrechnungen hinter sich zurückläßt. Was wir daraus lernen können: Nichts ist dauerhafter als der Wandel.

Quelle: T-Online


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Schulden: Wenn keiner mehr den Staaten Geld leihen will

(Januar 2011) Seit fast 40 Jahren ist Geld nicht mehr durch Gold gedeckt. Damit hat Geld keinen materiellen Wert mehr – lediglich psychologischen Wert. Er beruht auf dem Vertrauen, das die Marktteilnehmer dem Geld entgegenbringen, genauer, der dahinterstehenden Wirtschaftskraft und dem wirtschaftspolitischen Handeln der Regierung. Durch die Krise inzwischen überhöhte und außer Kontrolle geratene Staatsschulden dämpfen das Vertrauen. Staaten und Notenbanken versuchen, das lebensnotwendige Vertrauen zu schaffen – bestenfalls durch gescheite Wirtschafts- und Finanzpolitik, notfalls durch Appelle oder „Garantien“. Dazu gehört etwa die jüngste Bekräftigung von Bundeskanzlerin Merkel im Dezember 2010, daß die Spareinlagen der Bürger sicher seien.

Staaten leihen sich Geld auf den Finanzmärkten, indem sie Staatsanleihen (Schuldscheine) verkaufen. Für sie zahlt der Staat den Käufern Zinsen. Je höher ein Staat verschuldet ist, und je unsicherer die Rückzahlung der Schulden erscheint, desto höhere Zinsen verlangen die Finanzmärkte. Und desto höher die Risikoprämien, also Zuschläge, die bei solchen Geschäften für erwartete Risiken einkalkuliert werden. Desto höher auch die Prämien für Kreditausfallversicherungen, die ausbleibende Rückzahlungen versichern.

Tragweite aktueller Nachrichten

Vor diesem Hintergrund wird die Tragweite aktueller Nachrichten über steigende Risikoprämien oder Anleihenzinsen deutlich. Beispielsweise haben die Risikoprämien für italienische Staatsanleihen kürzlich ein Rekordniveau erreicht. Die Anleger trauen Italien nicht mehr. Es wird immer schwieriger und teurer für das Land, seinen Geldhunger auf den Finanzmärkten zu stillen. Eine immer schneller drehende Spirale kommt in Gang, die innerhalb kürzester Zeit unbeherrschbar werden kann.

Inzwischen trauen Anleger Unternehmen mehr als Staaten – selbst in Deutschland: Die Kreditausfallversicherungen für Unternehmensanleihen von BASF oder Henkel sind derzeit günstiger als die für deutsche Staatsanleihen. Das heißt: Wer sich dagegen absichern will, daß der Bund seine Schulden nicht vollständig zurückzahlt, zahlt mehr als jemand, der sich gegen eine Firmenpleite absichern will. Und das, obwohl der Staat am längeren Hebel sitzt und sich im Notfall durch höhere Steuern zusätzliche Einnahmequellen verschaffen könnte.

Die Staaten versuchen die Finanzmärkte durch schärfere Gesetze zu regulieren, um sich vor den „Angriffen der Spekulanten“ zu schützen. Doch nicht die „Spekulanten“ greifen die Staaten an, sondern die Staaten selbst begeben sich mit ihrem Geldhunger unter die „Spekulanten“. Die aber schrecken zurück und reagieren mit einem Käuferstreik: Es gibt kaum noch Anleger, die unter den gegebenen Bedingungen noch südeuropäische Staatsanleihen kaufen. Die betroffenen Staaten können ihren Finanzbedarf auf den Finanzmärkten nicht mehr stillen.

Schulden steigen trotz steigender Steuereinnahmen

Statistik der Steuereinnahmen

Trotz stetig steigender Steuereinnahmen häuften die Staaten in den letzten Jahrzehnten immer mehr Schulden an. Es war unter Politikern nichts Ehrenrühriges, über die Verhältnisse zu leben, und die Bürger haben gern davon profitiert. Heute zahlen wir den Preis für das jahrzehntelange Leben auf Pump. Alle Euroländer haben die Hürden gerissen, die sie sich selbst zum Schutz vor Krisen gestellt haben:

Eine Problemlösung ist nicht in Sicht. Der umstrittene Euro-Rettungsschirm löst die Probleme nicht, sondern deckelt sie. Unter dem Deckel aber brodeln sie weiter und werden früher oder später eine Lösung fordern.

Quellen: Reuters, NZZ, Welt.de, Financial Times Deutschland, Investor Verlag, destatis, BMF


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EU-Domino: Steht die Reihenfolge fest?

(November 2010) Makaberer Domino Day in Europa: Griechenland – Irland – Portugal – Spanien – Italien. In dieser Reihenfolge könnten Experten zufolge EU-Länder aufgrund ihrer maroden Staatsfinanzen gezwungen sein, den Euro-Rettungsschirm in Anspruch zu nehmen. Der Alptraum: Wenn Spanien kippt, reicht der Rettungsschirm nicht mehr aus. Während die kleinen Volkswirtschaften Irland und Portugal lediglich „Peanuts“ als Hilfe benötigen, würde Spanien als neuntgrößte Volkswirtschaft der Welt die finanziellen Möglichkeiten des Rettungsschirms sprengen. Ein wie auch immer geartetes Ende des Euros wäre dann unausweichlich.

Spaniens Regierung widerspricht indes den Befürchtungen, ihm könne ein ähnliches Schicksal drohen wie Irland. Das Land habe niedrige Schulden, Arbeitsmarkt, Renten und Sparkassen würden reformiert. Tatsächlich ist das Land mit über einer halben Billion Euro verschuldet, hat eine Arbeitslosenquote von 20 Prozent und praktisch kein Wirtschaftswachstum. Die Finanzmärkte sind nervös. Kommentatoren sind sich einig, daß der spanische Kollaps nahezu mit Sicherheit kommen werde, wenn er derart dementiert würde.

Quellen: zerohedge.com, zerohedge.com, AFP, Investor Verlag


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Arbeitsmarkt: Fachkräfte doch nicht knapp?

(November 2010) Weil Techniker und Computerexperten fehlen, laufe die Produktion gedrosselt, und die Firmen stellten weniger einfach qualifizierte Arbeitskräfte ein. Das gefährde den Aufschwung, so die überzeugende Klage der Industrie, mit der sie den Ruf nach mehr Fachkräften aus dem Ausland bekräftigt. Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind jetzt zum Schluß gekommen, daß die These vom Fachkräftemangel falsch ist.

Die Umfragen unter den Arbeitgebern, die über den Fachkräftemangel klagen, spiegelten oft kurzfristige Probleme bei der Stellenbesetzung wider. Langfristig zeigte sich weder die bei Knappheit zu erwartende überdurchschnittliche Lohnentwicklung, noch ein Abbau der Arbeitslosigkeit unter den Fachkräften. Unklar sei die Grenze zwischen normalem Bedarf und echtem Mangel. Wirkliche Engpässe gebe es nur in einigen lokalen Regionen und bei medizinischem Fachpersonal.

Das Institut für Arbeits- und Bildungsforschung (IAB) hat schon vor Monaten den Verdacht geäußert, daß entsprechende Probleme hausgemacht seien. Die Anforderungen der Arbeitgeber für Ingenieursstellen seien zu hoch. Meist wird längere Berufserfahrung vorausgesetzt, oft zusätzliche Qualifikationen – keine Chance für Hochschulabgänger. Die Unternehmen seien nicht bereit, einen Schritt auf den Bewerber zuzugehen, wenn er nicht hundertprozentig auf eine ausgeschriebene Stelle paßt. Der Verdacht liege nahe, daß der Arbeitsmarkt ein Nachfragemarkt bleiben solle: Je mehr Bewerber es gibt, desto weniger Forderungen können sie stellen.

Quellen: Spiegel, Focus


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Währungskrieg: Zerstörung der Kaufkraft

(November 2010) Weltweit befinden sich die wichtigsten Währungen in einem Abwertungswettlauf, um jeweils eigene Exportchancen zu verbessern. Je weniger die eigene Währung wert ist, desto billiger sind eigene Exporte auf dem Weltmarkt. Vor allem zwischen den USA und China herrscht ein regelrechter Währungskrieg, der zum Handelskrieg eskalieren könnte. Der Euro läuft in diesem Rennen derzeit hinterher – erscheint also vergleichsweise stark. Doch das gilt nur im Wechselkurs zu anderen Währungen. Gemessen an Gold verliert auch der Euro an Wert.

Diesen Krieg kann niemand gewinnen. Seine paradox anmutende Munition ist die Zerstörung der eigenen Kaufkraft. Das heißt im Weltmaßstab: Die großen Verlierer werden ausgerechnet die Währungen sein, deren Kurse am stärksten sinken. Dabei sinken die Kurse eigentlich, um Vorteile auf den Märkten zu erhaschen. Und für die betroffenen Länder heißt es: Die Verlierer sind die einfachen Leute. Schwache Währungen zerstören die Mittelklasse und daraus folgend ganze Ökonomien.

Quelle: goldseiten.de


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Arbeitsmarkt: Fachkräfte knapp

(Oktober 2010) Lange wurde schon vom „War for talents“ gesprochen. Nun scheint er augebrochen zu sein. Die Karten für Arbeitnehmer verbessern sich. Menschen über 50 werden wieder interessant für den Arbeitsmarkt. Allerdings gilt das bislang nur für hochqualifizierte Ingenieure, und Leute in den Pflege- und Gesundheitsberufen. Auch das Handwerk kann Lehrstellen nicht mehr besetzen.

Deutschland wolle nach der Krise „mit deutscher Ingenieurskunst in wichtigen Zukunftsmärkten durchstarten“, habe aber ausgerechnet jetzt zu wenig exzellent qualifizierte Ingenieure der Elektro- und Informationstechnik. Von 2010 an stünden dem Arbeitsmarkt jährlich aufgrund der demographischen Entwicklung (Geburtenrückgang) hunderttausende Arbeitskräfte weniger zur Verfügung. Auch vor diesem Hintergrund wird derzeit die Einwanderungsdebatte kontrovers geführt.

Quelle: MMnews


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Psychosoziale Krise: Klinikchefs schlagen Alarm

(Oktober 2010) 30 Prozent der Bevölkerung leiden an einer psychischen Störung. Die Kosten und Folgen psychosozialer Krisen in unserer Gesellschaft sind nicht mehr beherrschbar. Das sagen 19 Professoren und Klinikchefs in einem dramatischen Aufruf, den der „Focus“ unter der Überschrift „Burnout-Alarm“ am 23. Oktober veröffentlichte. Betroffen und erschüttert über die aktuelle Lage fordern sie eine breite gesellschaftliche Debatte über die Situation in der Arbeitswelt.

Am häufigsten träten Depressionen, Angststörungen, psychosomatische Erkrankungen und Suchterkrankungen auf. Deren Kosten explodierten in den vergangenen Jahren bis 2008 auf 29 Milliarden Euro. Anderen Industrieländer zeigen ähnliche Entwicklungen. Die Professoren fürchten eine Burnout-Welle auf uns zurollen. Eine adäquate Behandlung der Patienten ist heute schon nicht mehr möglich. Psychologen und Therapeuten müßten drei- bis fünfmal mehr Patienten behandeln, als sie können. Auch größere Geldsummen, woher auch immer sie kommen könnten, würden nicht mehr helfen. Angesprochen sei deshalb nicht nur das Gesundheitssystem, sondern alle Bereiche der Gesellschaft.

Der Focus nennt weitere Zahlen:

Quellen: Focus, MMnews.
Direkt zum Aufruf geht es hier.


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Hartz IV: 5 Euro mehr vom Staat

(Oktober 2010) Monatlich 5 Euro mehr gibt es für Hartz IV-Empfänger – peinlich für die Regierung und ein Hohn für die Betroffenen. Aber: Bei fast 7 Millionen Hartz IV-Empfängern bedeutet das fast eine halbe Milliarde Euro Mehrbelastung des Staatshaushalts. 20 Euro mehr hätten über eineinhalb Milliarden gekostet, 100 Euro gar über 8 Milliarden, die zu den 143 Milliarden Sozialetat hinzukämen und über wieder neue Steuern oder Schulden hätten finanziert werden müssen.

Wie konnte es so weit kommen? Die stellvertretende Welt-Chefredakteurin Andrea Seibel nahm Ende September 2010 in einem kontrovers diskutierten Kommentar kein Blatt vor den Mund. Nicht die Banken, sondern der Sozialstaat habe uns an den Rand des Bankrotts gebracht. „Der Staat hat die Unterschicht verstaatlicht, er hat alle ihre Lebensrisiken auf sich genommen.“ Kein Staat könne die positive Bindung von Familie und Arbeit ersetzen, und schon gar nicht die von Freiheit und Eigenverantwortung.

Die Leser kommentierten im Internet teils stark zustimmend, teils mit krasser Ablehnung. Die Diskussion bringt die Zerrissenheit unserer Gesellschaft zum Ausdruck – so sehr, daß die Kommentarfunktion auf der Webseite inzwischen geschlossen werden mußte. Der Riß geht genau durch die Mitte der Gesellschaft: Einer Umfrage nach sind die Hälfte der Befragten für eine deutliche Erhöhung der Hartz-IV-Sätze, während die andere Hälfte die 5 Euro für ausreichend betrachtet oder sogar eine Kürzung fordert.

Schon ein Jahr zuvor hatte die Autorin kommentiert: „Aus dem Freiheitsstaat ist ein Sozialstaat geworden, ein Staat, der immer nur nimmt, um umzuverteilen, ein Staat, der klammert, der den Bürger nicht in Ruhe lassen will, sondern beschützen, lenken und bevormunden bis in die kleinsten Facetten des Alltags hinein.“ Die staatliche Umverteilungsbürokratie koste zu viel Geld und bringe zu wenig Resultate: „Bei einer Staatsquote von mittlerweile 50 Prozent [Steuern und Abgaben auf die Einkommen] sind Bildung, Pflege, Gesundheit, Rente allesamt in prekärem Zustand.“

Quellen: welt.de
Die Artikel finden Sie hier (September 2010) und hier (Oktober 2009).


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UBS: Existenz des Euro in Gefahr

(Oktober 2010) Die Schweizer Großbank UBS (Union de Banques Suisses) sieht Anfang Oktober 2010 die Zukunft des Euro gefährdet. Weder Rettungspakete noch Sparmaßnahmen könnten die Probleme lösen. Der Euro brachte nicht die erhoffte Stabilität für die Union, sondern verstärkte vielmehr die wirtschaftlichen Ungleichgewichte. Den gesunden „Kernländern“ Deutschland, Österreich, Niederlande und Finnland stünden die schwächelnden „Peripherieländer“ Spanien, Irland, Portugal und Griechenland gegenüber.

Diese Ungleichgewichte würden zwangsläufig zu einer Neuordnung oder Aufspaltung der Währungsunion führen, vielleicht auch zu ihrem Auseinanderbrechen. Um das zu verhindern, müßten einige Länder die Eurozone verlassen, damit der Euro überleben können. Verblüffender Vorschlag der UBS: Am vernünftigsten sei es, daß Deutschland ausscheidet. Eine neue, gegenüber dem Euro aufgewertete D-Mark würde einerseits die deutsche Binnenwirtschaft stärken, und andererseits nähme die Wettbewerbsfähigkeit die anderen Länder der Eurozone zu, weil sie von der deutschen Konkurrenz nicht mehr an die Wand gedrückt würden. –

Völlig unbeachtet von der Presse fand bereits am 25. September in Berlin die Konferenz „Der Euro vor dem Zusammenbruch – Wege aus der Gefahr„ statt. Referenten waren renommierte Wirtschafts- und Währungsexperten wie Prof. Max Otte, Prof. Karl A. Schachtschneider und Prof. Wilhelm Hankel. Dem hochverschuldeten Deutschland drohe entweder eine inflationäre Geldentwertung oder deflationäres Erdrosseln der Wirtschaft. Angestrebt werde ein Referendum (Volksabstimmung) zur Wiedereinführung der D-Mark. Skeptisch mache allerdings die fehlende Unterstützung der Medien.

Die einzigen anwesenden Pressevertreter kamen vom russischen Nachrichtensender „Russia Today“. Ironie der Geschichte: Früher klagte der Westen das Verschweigen von Nachrichten in den Sowjetmedien an. Heute brechen die Russen das Schweigen der Westmedien.

Quellen: sonntagonline.ch, Investor Verlag, euro-konferenz.de


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US-Schulden: Vertrauen in Dollar schwindet

(Oktober 2010) Staatsanleihen sind Schuldscheine, mit denen Staaten ihre Schulden finanzieren. Privatanleger oder Zentralbanken anderer Länder kaufen die Papiere, der Staat zahlt ihnen dafür Zinsen. In den letzten Monaten ist es für verschiedene Staaten immer schwieriger geworden, noch Käufer für ihre Anleihen zu finden. Für Anleihen, auf denen der Staat sitzen bleibt, muß er selbst Geld drucken, also aus dem Nichts schaffen – ein Spiel mit dem Feuer, denn es steigert die Gefahr einer unkontrollierbaren (Hyper-)Inflation.

Mitte September geschah das Ungeheuerliche: China und andere Länder kauften nicht wie gewohnt, sondern verkauften in großem Maßstab US-Anleihen. Das hatte Signalwirkung auf andere Anleger. Just in diesem Zeitraum erreichte Gold sein neues Allzeithoch von 1.274,60 US-Dollar – und stieg inzwischen weiter. Gold gilt als „sicherer Hafen“ gegen die Inflationsrisiken der Papierwährungen. Die Botschaft des Geschehens: Das Vertrauen in den Dollar geht verloren. Vertrauen aber ist das einzige, was einer an sich wertlosen Papierwährung Wert gibt.

Quelle: Investor Verlag, US-Schuldenuhr


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Staatsräson: Flugsteuer und andere Gebühren

(September 2010) Rückwirkend zum 1. September 2010 will die Bundesregierung eine Flugticketsteuer einführen. Ab 1. Januar 2011 werden alle Flüge, die von deutschen Flughäfen abgehen, je nach Distanz zwischen 8 und 45 Euro teurer. Rückwirkend bedeutet: Die Steuer wird auch für vorab gekaufte Flugscheine fällig. Die Airlines legen die Steuer auf die Tickets, zahlen werden die Passagiere.

Offizieller Grund ist der Umweltschutz. Doch die Steuer wird weder Fluglärm noch Emissionen senken. Beobachter sehen als eigentlichen Grund vielmehr die Sanierung des klammen Staatshaushalts. Da das auf der Ausgabenseite nicht so recht klappen will, geht es jetzt verstärkt an die Einnahmenseite. Der Bund hofft, mit der Flugsteuer eine Milliarde Euro pro Jahr zu kassieren.

Diese Art des „Sparens“ hat Methode und wird in den nächsten Jahren weiter ausgebaut. Wenn sie wie bei der Flugsteuer ökologisch begründet ist, oder wenn andere zahlen sollen (Unternehmen, Banken, „die Reichen“), läßt sich das auch gut durchsetzen. Doch die hohe Schuldenlast zwingt auch zu unpopulären Maßnahmen. Das derzeit diskutierte „Sparpaket“ umfaßt Steuer- und Abgabenerhöhungen, die Kürzung von Sozialleistungen, nachträgliche Kappung von Steuervorteilen und rückwirkende Regelverschärfungen. So unangenehm das alles ist: Die Alternative – der Staatsbankrott – würde noch ungemütlicher werden.

Was auf uns zukommt

Auch die Situation der Bundesländer und der Kommunen ist prekär. 84 Prozent der Kommunen planen nach einer Umfrage, Abgaben zu erhöhen oder neu zu erfinden.

Wem das Geld knapp ist, dem ist das Hemd näher als die Hose. Für den hoch verschuldeten Staat heißt das: Staatsinteressen haben Vorrang – auch auf Kosten der Bürger und der Wirtschaft („Staatsräson“). Das Problem dabei: Eine geschwächte Wirtschaft bedeutet sinkende Steuereinnahmen und steigende Sozialkosten, was die Staatsbemühungen um die Sanierung der Finanzen wieder zunichte macht.

Quelle: u.a. Handelsblatt


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Finanzkrise: Maulkorb für Presse

(Sommer 2010) Am 8. Oktober 2008 lud die Bundeskanzlerin wichtige Medienvertreter und Verleger ins Kanzleramt. Sie beschwor die Runde, zurückhaltend über die Krise und die tatsächliche Lage der Staatsfinanzen zu berichten, damit das Land nicht außer Kontrolle gerate. Ein ungewöhnlicher Vorgang für eine freie Demokratie, aber in Anbetracht der Lage sinnvoll: Hätte das Volk aus Angst um die Spareinlagen die Banken gestürmt und die Konten leergeräumt, dann hätte das das sofortige Aus unseres Finanzsystems bedeutet.

Die Medien haben sich an Merkels Bitte gehalten. Ende März 2010 veröffentlichte die gewerkschaftsnahe Otto-Brenner-Stiftung Forschungsergebnisse über die Krisenberichterstattung in der Presse. Danach folgte die Deutsche Presseagentur (dpa) bei der Finanzmarktpolitik eng den Interpretationslinien der Regierung. Zeitungen berichteten ungenau, stellten kaum Zusammenhänge her, brachten statt dessen übermäßig viel Belangloses von der Börse. Auch die sonst als journalistisch hochkarätig geltende Tagesschau bekam schlechte Noten. Fazit der Kommunikationsforscher: „Eklatantes journalistisches Versagen“.

Druck auf Bundespräsidenten?

Schon Mitte März 2010 hatte der damals noch als Bundespräsident amtierende Horst Köhler die deutschen Medien kritisiert und im Hinblick auf die Staatsfinanzen unter anderem gesagt: „Es kann Staaten geben, die mit ihren Schulden nicht mehr fertig werden. Deshalb ist es an der Zeit, das für viele Undenkbare zu denken.“ Die deutschen Fernsehanstalten weigerten sich, Köhlers Äußerungen zu senden. Als langjähriger Chef des Internationalen Währungsfonds war Köhler der einzige hochrangige Finanzfachmann der Berliner Führung.

Dies scheint jedoch nicht der eigentliche Grund für seinen plötzlichen und kommentarlosen Rücktritt Ende Mai gewesen zu sein. Der CSU-Politiker Peter Gauweiler und der Industrielle Hans Olaf Henkel gehen vielmehr davon aus, daß die Bundesregierung Druck auf Köhler ausübte, als sie im Mai praktisch über Nacht das Gesetz zur Euro-Stabilisierung durchpeitschte.

Noch am selben Tag hatte Köhler unterschrieben. Ein ungewöhnliches Verhalten, denn er nahm sich sonst stets viel Zeit für die penible Prüfung von Gesetzentwürfen. Daß der Rettungsschirm gegen EU-Recht und gegen das deutsche Grundgesetz verstößt, und daß er die deutschen Staatsfinanzen zu überspannen droht, sollte dem Finanzexperten Köhler eigentlich nicht entgangen sein. Trotzdem hatte er unterschrieben...

Quelle: u.a. Investor Verlag, FR-online


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Staatsschulden: Wieviel sind 1,7 Billionen?

(Sommer 2010) In guter Absicht schützt uns der Staat vor den Risiken, die wir eingehen, wenn wir am Wirtschaftsleben teilhaben. Die Wirtschaftkrise hat den ohnehin schon überlasteten Sozialstaat nun schlagartig zu weiteren Ausgaben gezwungen. Der Schuldenberg unseres Staates hat im Mai 2010 den Betrag von 1,7 Billionen Euro überschritten. Wieviel ist das? Es sind 1.700 Milliarden Euro oder 1,7 Millionen Millionen Euro. Wie können wir uns diese unfaßbare Zahl veranschaulichen?

Angenommen, ein sehr reicher und langlebiger Mann spart seit der Geburt Christi jeden Tag 1 Million Euro, also 365 Millionen im Jahr. Damit hätte er bis Mai 2010 die stolze Summe von 733 Milliarden gespart. Mit dieser Summe tilgt der Mann nun unsere Staatsschulden. Dann bleiben von den 1.700 Milliarden immer noch 967 Milliarden übrig. Es wären weniger als die Hälfte der Schulden getilgt.

Um die ganze Schuld zu tilgen, müßte unser Mann noch weitere 2679 Jahre sparen, also bis ins Jahr 4689! Voraussetzung wäre, daß der Staat alle Ausgaben stoppt. Doch das kann er natürlich nicht. Die Ausgaben gehen weiter, die Schulden wachsen. Im Mai 2010 betrug der Zuwachs 4.481 Euro pro Sekunde. Das sind 16 Millionen Euro pro Stunde, 387 Millionen pro Tag, 3 Milliarden pro Woche, 12 Milliarden pro Monat und 141 Milliarden pro Jahr. Unser reicher Mann spart aber „nur“ 365 Millionen pro Jahr...

Sicher wird deutlich: Das Schuldenproblem unseres Staates ist schwerwiegend und unlösbar. Es wird nicht so weitergehen können wie bisher. Doch Veränderungen sind politisch und sozial extrem unpopulär. Es ist um so dringlicher, daß wir, so gut es uns möglich ist, Eigeninitiative ergreifen, um nicht vom Staat abhängig zu bleiben. Nehmen Sie diese Zahlen als Motivation für Ihren persönlichen Weg in die Zukunft. Wenn der Staat nichts ändert, so können doch wir selbst etwas ändern.

Den aktuellen Stand der Staatsverschuldung können Sie auf der Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler sehen.

Einen anderen Weg, die Größenordnung von Billionen erfaßbar zu machen, finden Sie über diesen Link zum Investor Verlag.


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Währungsreform: Weichwährung Euro

Titelblatt Wirtschaftswoche - Nachruf Euro

(Sommer 2010) Praktisch über Nacht hat die Europäische Union am 9. Mai 2010 angesichts der Griechenland-Krise das innere Gefüge der Währung Euro verändert. Es gab faktisch eine Währungsreform. Die europäische Einheitswährung sollte die unterschiedlichen Volkswirtschaften zusammenkitten – ein ohnehin fast aussichtsloses Unternehmen. Immerhin waren nach dem Vorbild der D-Mark Strukturen geschaffen worden, die für Stabilität sorgen sollten. Diese Strukturen wurden nun preisgegeben, um den drohenden Kollaps des Euro abzuwehren:

Der damit verbundene Vertrauensverlust wiegt schwer. Denn eine Währung ist nur so viel wert, wie Vertrauen in sie gesetzt wird. Nicht ohne Grund ist der Euro im Vergleich zum ebenfalls schwächelnden Dollar abgerutscht.

Zusammen mit den Änderungen am Euro ist auch wieder die Rede von der Einsetzung einer europäischen Wirtschaftsregierung. Vor allem Frankreich möchte das, andere Länder befürchten ein europäisches Hineinregieren in nationale Angelegenheiten. Wenn ganz Europa auf ein gemeinsames wirtschaftliches Niveau gezwungen werden soll, bedeutet das für das Hochlohnland Deutschland einen Abstieg mit weitreichenden sozialen Folgen.

Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 20/2010.


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Kraftprobe: Staaten gegen Banken

(Sommer 2010) Warum wackelt Griechenland? Einen ungewöhnlichen Erklärungsversuch wagt der Börseninvestor Martin Stephan, dessen Gedanken hier kurz zusammengefaßt sind.

Die Staaten sind astronomisch hoch verschuldet. Bei wem? Vor allem bei Banken. Die Staaten sind die Schuldner, die Banken die Gläubiger. Schuldner sind immer in der Hand der Gläubiger. Deshalb bestimmen gewöhnlich die Gläubiger die Spielregeln. Doch im Zuge der Krisenbekämpfung versuchen nun paradoxerweise die Schuldner, die Spielregeln zu bestimmen. Politiker, die selber kein glückliches Händchen im Umgang mit Finanzen haben, wollen nun mit schärferen Gesetzen und mehr Kontrollen die Finanzmärkte regulieren.

Die Banken halten nun einfach mit ihren Mitteln dagegen: Herabstufung der griechischen Staatsanleihen durch die Ratingagenturen, Wetten und Spekulationen gegen Griechenland und gegen den Euro. Warum ausgerechnet Griechenland? Andere Staaten sind ebenso hoch oder noch höher verschuldet. Weil Griechenland finanziell relativ klein und unbedeutend ist, es aber als Teil des Euroraumes genügend politisches Gewicht hat. Das senkt Aufwand und Risiken für die Angreifer, steigert aber die Wirkung des Angriffs.

Es ist spannend, das Muskelspiel beider Seiten einmal aus dieser Perspektive zu betrachten. Leider läßt sich in diesem „Spiel“ nicht so einfach Gut und Böse unterscheiden. Im Grunde sind beide Seiten (vor allem über die Währungspolitik) aufeinander angewiesen, um ihre jeweilige Macht zu erhalten. Die besseren Karten scheinen die Banker zu haben, denn sie wissen – im Gegensatz zu den Politikern – wie man Geld vermehren kann. Regiert Geld die Welt?


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Ebay: Höchstpreise für Buch über Inflation

(Sommer 2010) Banker interessieren sich derzeit verstärkt für ein seltenes Buch von 1974: Jens O. Parsson, „Dying of Money“, „Das Sterben des Geldes. Lektionen der großen deutschen und amerikanischen Inflationen.“ Bei Ebay wurde das Buch inzwischen für Höchstpreise angeboten.

Screenshot Ebay
Quelle: Ebay


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Matthias Horx 2008: Vier Krisenszenarien

Rückblick: Der bekannte Zukunftsforscher Matthias Horx hat im November 2008 vier Krisenszenarien für die folgenden 5 Jahre entworfen. Damals vermutete er, daß der tatsächliche Verlauf Elemente aus allen vier Szenarien enthalten würde. Eine von Horx und seinem Zukunftsinstitut durchgeführte Umfrage ergab ein pessimistischeres Bild. Spiegel online berichtete damals darüber. Sehen wir heute deutlicher, wohin die Reise geht?

Grafik: Horx - vier Zukunftsszenarien

Szenario 1

Szenario 1 setzt auf die Selbstreinigungskräfte der Märkte, die zu Korrekturen der Fehlentwicklungen führen. Krisen sind kein Fehler der Marktwirtschaft, sondern Zeichen dafür, daß sie funktioniert. Staatliche Deregulierung sei ein politisches Ziel, die Staaten halten sich zurück. Es gebe zwar einen Rückschlag in den westlichen Wohlstandsgesellschaften, doch die Welt gehe gestärkt aus der Krise hervor.

Szenario 2

Szenario 2 nimmt die politischen Ansätze der skandinavischen Länder als Vorbild. Der Einfluß des Staates wachse, umfassende Konjunkturprogramme, Verstaatlichung von Banken und Unternehmen sowie eine radikale Umgestaltung des Wirtschaftssystems vermieden künftige Krisen. Am Ende profitierten die Staaten durch steigende Steuereinnahmen nach der wirtschaftlichen Erholung.

Szenario 3

Szenario 3 betrachtet die Konjunkturausschläge der Märkte als normal. Staatliche Zurückhaltung sei deshalb Politik. Die deshalb nur zögerlichen Hilfsmaßnahmen können den konjunkturellen Abschwung nicht bremsen. Es komme zu Vertrauensverlusten, Konsumrückgang und einer weltweiten, lang anhaltenden Rezession, die vor allem „der kleine Mann“ zu spüren bekommt.

Szenario 4

Szenario 4 sieht den Staat hart durchgreifen: Hilfspakete, Konjunkturprogramme, Rettungsschirme und Verstaatlichungen führen zu einer massiven Verschuldung des Staates und steigender Steuerbelastung. Staatliches Handeln könne das kränkelnde Wirtschaftssystem nicht am Leben halten. Zur Rezession kämen Staatskrisen, am Ende ein völliger Ausverkauf des Wohlstandes.

Quelle: Spiegel online.


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Verschwiegen: Keynes kritisiert Keynes

Späte Einsicht: Nach sieben Jahren Depression zweifelte John Maynard Keynes am Sinn des von ihm erfundenen „Deficit Spending“, der Krisenbewältigung durch Verschuldung. Irgendwann müsse es mit den staatlichen Hilfen einmal genug sein, weil sie keinen Nutzen mehr brächten.

Heutige Belege für diese unter Keynesianern nicht besonders populäre und oft verschwiegene Erkenntnis sind der nicht blühen wollende Osten Deutschlands, wie auch das seit den 1990er Jahren in der Dauerkrise steckende Japan, das heute am Bruttosozialprodukt gemessen das am höchsten verschuldete Land der Welt ist. Noch nie haben staatliche Schulden echtes Wirtschaftswachstum generiert. Keynes' Plan, daß das Wirtschaftswachstum dem Staat zu höheren Einnahmen verhilft, mit denen es die Verschuldung abbauen kann, hat noch nie funktioniert.

Quelle: Die Presse


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Hintergrund: Das Grundproblem des Euros

Die EU ist keine Nation, wie die USA, sondern ein Bund unterschiedlicher Nationalstaaten. Sie haben unterschiedliche Wirtschaften – das ohne Wertung, denn Unterschiede sind normal. In einigen Ländern wächst die Wirtschaft schneller und effektiver, beispielsweise in Deutschland, Frankreich, Österreich. In anderen Ländern langsamer, beispielsweise in Griechenland, Italien, Spanien, Portugal.

Gewöhnlich hängt der Wert einer Währung von der Wirtschaftskraft des Landes ab. Unregelmäßigkeiten können durch staatliche Eingriffe, etwa Änderungen des Leitzinses oder der Geldmenge, gedämpft werden. Der Euro kettet nun unterschiedliche Wirtschaften aneinander. Die einzelnen Länder haben keine Möglichkeiten, auf individuelle Probleme individuell zu reagieren. Änderungen der Euro-Währungsparameter würden sich auf alle Euro-Länder gemeinsam auswirken. Der Ausweg ist höhere Verschuldung der Einzelstaaten.

Währungsunionen funktionieren nur zwischen gleich starken Partnern. Vor dem Euro schwankten die Wechselkurse zwischen D-Mark, Franc, Gulden, Schilling nur wenig. Eine Währungsunion zwischen diesen Ländern wäre weniger problematisch gewesen. Die Kurse von Lira oder Drachme schwankten dagegen stark. Diese Länder bereiten nun die aktuellen Probleme. Politiker und Ökonomen haben schon lange vor diesen Problemen gewarnt, wurden aber mundtot gemacht. Der Euro wurde zur heiligen Kuh, die niemand schlachten durfte. Politische Ideologie wurde wichtiger als ökonomischer Sachverstand.

Quelle: u.a. Investor Verlag.


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Der Euro: Ein moderner Götze?

Götzendienst ist einer der Dauerbrenner in der Bibel. Was steckt dahinter? Menschen setzen ihr Vertrauen auf etwas, das nicht tragfähig ist. Da schnitzt sich jemand aus Holz ein tier- oder menschenähnliches Götzenbild, malt es an, behängt es mit Gold und Silber, trägt es in den Tempel, befestigt es so, daß es weder wackelt, noch umfällt – und betet es dann an, bringt ihm Opfer, erwartet von einem Stück toten Holzes Hilfe, Heil und Leben. Ein eigentlich ziemlich törichtes Verhalten, das aber einfach nicht auszumerzen war.

Zum Glück stehen wir heute über diesen Dingen – oder? Die Kunstwährung Euro soll ein Vehikel sein, die unterschiedlichen Volkswirtschaften Europas miteinander zu verbünden. Der Euro soll Sprach- und Wirtschaftsgrenzen überwinden. Er soll Europa groß und stark machen, ihm ein größeres Gewicht in der Welt verschaffen, für Aufschwung und Wohlstand sorgen.

Doch der tote Götze hat nicht nur unsere Erwartungen enttäuscht. Nun wackelt er auch noch, droht umzufallen. Die Regierungen der Euroländer bringen große Opfer, um den Euro zu retten, der doch eigentlich uns retten sollte. Um ihn zu stärken, wird er nun geschwächt. Er darf um keinen Preis sterben. Er soll uns doch Hilfe, Heil und Leben bringen! Ist dieses Denken und Verhalten nicht ebenso töricht wie der Götzendienst von damals?


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Humor: So entstand die Krise

Humor ist, wenn man trotzdem noch lachen kann. Wenn Sie auch nach Ihrer Teilnahme am Vortrag bzw. Workshop immer noch nicht genau wissen, wie die Krise entstanden ist, können Sie es hier noch mal leicht verständlich nachlesen. Vielen Dank, R., fürs Zusenden.

PDF: Entstehung der Krise (neues Fenster)

(Quelle leider nicht feststellbar.)


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Stand: September 2012
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