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Newsletter November/Dezember 2017

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Schwung: Newsletter November/Dezember 2017




Liebe Leserin, lieber Leser,

da versuchten Politik und Medien einen ganzen Wahlkampf lang mit großem Einsatz, die AfD zu verhindern – mit dem Erfolg, daß die AfD im Bundestag landete. Sie haben dann schon mal angekündigt, es den anderen Parteien so richtig schwer zu machen. Doch bis zum Platzen der Sondierungsverhandlungen hat man nichts mehr von der AfD gehört. Es gab nichts für sie zu tun. Die anderen Parteien haben sich gegenseitig das Leben schwer gemacht. Und sind schließlich aneinander gescheitert, bevor es überhaupt zu Koalitionsverhandlungen gekommen ist. Vorbei die Reise nach „Jamaika“.

Und nun? Auch wenn jetzt vielleicht doch die schwarz-rote „Angola“-Koalition kommt – eines sollten wir vom ursprünglichen Reiseziel lernen. Der Wappenspruch Jamaikas lautet nämlich: „Out of many, one people“ – „Aus vielen, ein Volk.„ Doch auch der Wahlspruch der Angolaner mahnt uns: „Vereinigte Tapferkeit ist stärker.“ Inzwischen diskutiert man über eine schwarz-rot-grüne „Kenia“-Koalition. Wie geht noch gleich der Wahlspruch Kenias? „Laßt uns zusammenarbeiten.“ Hat uns das etwas zu sagen? Die ganze Situation ist jedenfalls mehr ein psychosoziales als ein politisches Lehrstück, aus dem sich gleich mehrere Lehren ziehen lassen.


Die Macht der Worte

Da wäre als erstes und wichtigstes die Macht der Worte. In Zeiten von Internet und 24-Stunden-Nachrichtensendern gibt es eine ganze Menge davon. Allerdings nicht im Sinn von Vielfalt, sondern von schierer Menge. Allein das Schmökern in den Wahlprogrammen der Parteien ließ einen in wortreicher Informationsflut geradezu ertrinken. Schon nach wenigen Absätzen weiß man nicht mehr, was die Partei denn nun genau will. Und was genau sie von anderen unterscheidet. Wie soll man da eine Wahlentscheidung treffen? Und wie sollen da Sondierungs- oder Koalitionsverhandlungen gelingen?

Ich habe kritisch gewappnet auch das Wahlprogramm der AfD gelesen. Und war überrascht: Es erwies sich als erstaunlich sachlich. Na, wenigstens im Kapitel Einwanderung würde das wahre Gesicht der Partei sichtbar werden. Aber auch das wirkte auf mich nicht wirklich bösartig. War ich zu blauäugig? Sind mir entscheidende Details entgangen? Möglich, bei der Menge an Worten. Doch der Grundgedanke wirkte plausibel: Man kann mit begrenzten Ressourcen nicht unbegrenzte Einwanderung wuppen. In diesem Punkt ist manch andere Partei wesentlich unrealistischer drauf.

Wie ist es möglich, daß das Wahlprogramm einer populistischen Partei so unpopulistisch daher kommt? Liegt es nur an innerparteilicher Uneinigkeit? Ist es ein Trick, der arglose Gemüter übertölpeln soll? Der Wahlkampf war ja nun ausgesprochen plump und populistisch – für mich inakzeptabel. Auf der einen Seite der plumpe Wahlkampf, auf der anderen Seite das sachliche Wahlprogramm – ein merkwürdiger Widerspruch. Was steckt dahinter?


Worte schaffen Realität

Mein Antwortversuch aus psychologischer – nicht politischer – Sicht: Worte schaffen Realität. Alle sagen: Die AfD ist böse. Also sehen wir sie böse. Alles, was sie tun oder sagen, nehmen wir als böse wahr. Was nicht böse ist, sehen wir entweder gar nicht oder beargwöhnen es als Täuschungsmanöver. Ist das Vorurteil erst mal gefällt, lastet es wie eine Krebsdiagnose auf den Vorverurteilten. Sie können nichts mehr ändern. Es nützt nichts, Gutes zu tun oder wenigstens vom Bösen abzulassen. Es ist sowieso alles böse, denn sie sind böse. Also spielt man eben die Rolle des Bösen, denn das kostet am wenigsten psychische Energie.

Die gleiche Psychodynamik hat vorher schon die AfD in die „rechte Ecke“ gedrängt. Damit wurde sie folgerichtig zur attraktiven Alternative für die Leute aus der „rechten Ecke“. Und da wir nun diese Leute in der Partei sehen, können wir mit Fug und Recht sagen: Wir haben es ja schon immer gewußt. Wirklich? Was wir hier erleben, ist psychologisch gesehen das gut erforschte Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung: Warum immer man sich auf jemanden oder etwas einschießt – unser Denken und Reden schafft die Realität, die es verkündet.

Ist der Ruf erst mal ruiniert, lebt es sich gänzlich ungeniert. Wenn es von einem erwartet wird, dann macht man eben einen populistischen Hau-drauf-Wahlkampf. So macht es ja jede Partei: Erfüllt man die Erwartungen der Wähler, dann bekommt man ihre Stimmen. Funktioniert hat es. Nun müssen wir zusehen, wie unser Land mit einer Partei im Bundestag zurechtkommt, die genau das geworden ist, zu was unsere Worte sie gemacht haben. Übrigens: Ist Rufschädigung – das, was wir hier seit Jahren öffentlich und kollektiv treiben – nicht ein Straftatbestand?


Der Matthäus-Effekt

Ich habe auf langen Autofahrten einige Radiointerviews mit AfD-Vertretern gehört – es waren psychologisch spannende Erlebnisse. Die Interviews waren schwierig, zäh, verkrampft. Die Interviewer befürchteten offensichtlich, selbst zu sehr in die „Ecke“ der ungeliebten Partei zu geraten. Sie blieben auf Distanz, vermieden Konsens, begaben sich mit ihren Fragen unter das Niveau ihres Gegenübers. Sie griffen auf plumpe Weise an – und zogen doch den Kürzeren, weil ihre Angriffe nur die eigenen Vorurteile, aber nicht die Sicht des Gegenübers trafen. Die Themen blieben einseitig, es ging immer nur um Flüchtlinge – die Interviews selbst schufen offensichtlich das aufmerksamkeitsheischende Wahlkampfthema, auf das sich die Partei dann auch eingeschossen hat.

Es ist schlechter Journalismus, das Gegenüber in Frage zu stellen, vorzuführen oder anzugreifen. Doch die Angst, selbst mit der Meinung des umstrittenen Gegenübers gleichgesetzt zu werden, war groß. Nicht nur unter Journalisten. Immer wieder beobachte ich in kontroversen Gesprächen, daß Menschen einander nicht verstehen wollen, weil sie Verstehen mit Gutheißen verwechseln. Hier müssen wir alle dazulernen, denn wir können es uns nicht mehr leisten, immer aneinander vorbeizureden. Die digitalisierte und globalisierte Arbeitswelt der Wissensgesellschaft verlangt von uns mehr denn je die Fähigkeit, unterschiedliche Standpunkte auszutauschen, einander zu verstehen und gemeinsame Kompromisse zu finden. Doch gerade diese zukunftsentscheidenden Kompetenzen fehlen uns weitgehend, denn unser Bildungssystem fördert sie nicht.

Und sonst? Die Engführung der Themen machten die Interviews zum analogen Gegenstück der digitalen Algorithmen des Internets, die ihrerseits das Informationsangebot immer weiter verengen. Das Internet erkennt durch unser Surf-Verhalten unsere Interessen und präsentiert uns die entsprechenden Suchergebnisse. So entstehen die berüchtigten „Filterblasen“ und „Echokammern“, in denen wir immer nur das zu sehen bekommen, was wir sehen wollen. Sie schotten uns von der Informationsvielfalt „da draußen“ ab, von unbequemen Fakten und unliebsamen Gegenmeinungen. Man spricht vom Matthäus-Effekt, nach dem biblischen Wort „Wer da hat, dem wird gegeben, daß er die Fülle habe…“. Das, was uns am meisten interessiert, bekommt immer mehr Bestätigung – während andere Themen aus dem Blick geraten.


Dem Vorurteil ausgeliefert

Das alles ist keine politische Stellungnahme. Es geht mir nicht darum, einer Partei das Wort zu reden. Im Gegenteil, ich bin nicht gerade glücklich darüber, einer einzelnen, und noch dazu so umstrittenen Partei in diesem eigentlich dem Weitblick verpflichteten Newsletter so viel Aufmerksamkeit zu schenken. Doch gerade aus diesem Beispiel können wir viel lernen. Wir sollten unsere Fehler nicht wiederholen, nachdem wir das Gegenteil dessen erreicht haben, was wir erreichen wollten. Die AfD sollte ins Abseits – nun ist sie im Zentrum. Geschafft haben wir das durch den unbedachten Umgang mit einer überaus scharfen Waffe: Mit Worten – oder allgemeiner: mit Informationen. Information (lat. in-formareEinformung) ist eine formende Kraft. Unsere Worte haben viel, viel mehr Macht, als wir glauben. Wir sollten sehr behutsam mit ihnen umgehen.

Ist man dem Vorurteil der anderen schutzlos ausgeliefert? In vielen Situationen, vor allem Mobbing-Situationen, leider ja. Manchmal geht es auch anders aus. Etwa im „Stromkrieg“ der 1890er Jahre, der berühmten Auseinandersetzung zwischen den Erfindern Thomas Alva Edison und George Westinghouse. Edison machte nicht nur die Glühbirne markgängig, sondern schuf auch die Technik für die Stromerzeugung und -verteilung. 1882 strahlte erstmalig ein New Yorker Viertel in elektrischem Licht. Edison setzte dabei auf Gleichstrom, der sich allerdings nicht über weite Entfernungen übertragen läßt. Edisons Konkurrent Westinghouse setzte auf Wechselstrom, der sich in Hochspannung umwandeln läßt und damit große Entfernungen überbrücken kann. Das Kraftwerk mußte nun nicht mehr mitten im Stadtviertel stehen, sondern fand Platz am Stadtrand.

Das wurmte den erfolgsgewohnten Erfinder Edison. Er griff Westinghouse öffentlich an, zog ihn in den Schmutz, geißelte unentwegt die Gefahren der Hochspannung, ließ in öffentlichen Vorführungen Tiere mit Wechselstrom töten und empfahl Wechselstrom zum Betrieb des elektrischen Stuhls. Westinghouse tat das Richtige – nämlich nichts. Er ließ Edison reden, nahm ihm damit den Wind aus den Segeln, und bekam durch dessen „Öffentlichkeitsarbeit“ obendrein kostenlose Werbung für sein Unternehmen. Edison hingegen brachte es nichts. Wechselstrom war nun mal die bessere Lösung. Dessen war sich Westinghouse bewußt, er ging seinen Weg und brauchte sich nicht auf Edisons Angriffe einzulassen. Die Westinghouse Electric Co. wurde schnell zum größten Arbeitgeber seiner Zeit. Was können wir von Westinghouse lernen? Sich seiner Sache sicher sein und sich nicht auf die Angriffe einlassen – das könnte ein Weg aus dem Gefängnis der Vorurteile sein. Wenn auch kein einfacher, und nicht in jeder Situation der richtige.


Unterschätzte Komplexität

Heutzutage passiert es überall – in Politik, Wirtschaft und Privatleben – immer häufiger, daß wir das Gegenteil dessen erreichen, was wir eigentlich wollten. Die Macht unserer Worte und Gedanken ist nicht die einzige Ursache dafür. Es liegt auch an der zunehmenden Komplexität einer Welt, die wir immer weniger verstehen. Treffen wir Entscheidungen, ohne die Zusammenhänge wirklich verstanden zu haben, wird es wahrscheinlich schief gehen – je größer und ehrgeiziger das Projekt, desto wahrscheinlicher. Und gerade wir Deutschen denken manchmal deutlich zu ehrgeizig.

Ob ein so komplexes Projekt wie eine Energiewende, die alles gleichzeitig erreichen will – Atomausstieg, CO2-Reduktion, Infrastruktur-Umbau, Versorgungssicherheit, Umweltschutz – wirklich gelingen kann? Der Flughafen Berlin-Brandenburg ist ein mahnendes Dauerbeispiel für unterschätzte Komplexität. Gerade hat wieder die Brandschutzanlage einer Überprüfung nicht standgehalten. Niemand weiß, wie es weitergeht. Wir wissen nur, daß das Ganze uns Steuerzahler Tag für Tag 1,2 Millionen Euro kostet. Auch Stuttgart 21 ist eben wieder ein paar Milliarden teurer geworden. Wie groß mag die Zahl der Projekte sein, die nicht groß genug sind, um in den Schlagzeilen zu landen? Immerhin landen einige davon im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes.

Neben den üblichen Verdächtigen – Digitalisierung und Globalisierung – ist auch das menschliche Wesen ein Treiber von Komplexität. Immer größere, schon von Anfang an umstrittene Lieblingsprojekte dienen der Selbstverwirklichung von Amtsträgern, demonstrieren persönliche Größe, zeigen die Überlegenheit über den Vorgänger oder den Konkurrenten. Das Neue muß unbedingt größer und raffinierter sein als das Alte. Zurückstecken gilt nicht. Loslassen auch nicht – selbst wenn ein Weitermachen längst sinnlos ist. Wir denken und planen in unserem Größenwahn zu ambitioniert und zu kompliziert, und wundern uns dann, daß die entstehende Komplexität nicht mehr beherrschbar ist.


Zu viele Details

In die Komplexitätsfalle sind offensichtlich auch die „Jamaika“-Sondierungsgespräche geraten. Die Probleme liegen in großer Zahl auf dem Tisch: Klimaschutz, Kohleausstieg, Dieselkrise, Obergrenzen, Familiennachzug, Fahrverbote, Einlagensicherung, Breitbandausbau, Vorratsdatenspeicherung, Arbeitszeitregelungen, Solidaritätszuschlag, Renten, Bildung. Schon an der schieren Zahl der Probleme kann man sich verzetteln. Hinzu kommt, daß sie in unserer vernetzten Welt alle irgendwie miteinander zusammenhängen. Und dann hat jede Partei eine andere Sicht darauf und damit eine andere Lösung dafür. Die Wahlprogramme machen das ja deutlich. Sie ähneln sich bei oberflächlichem Hinsehen, unterscheiden sich aber im Detail. Für jeden Punkt einen perfekten Kompromiß hinzukriegen, ist schier unmöglich.

Es ist einfach, den Akteuren falsches Handeln vorzuwerfen. Aber es ist nicht fair. In den Zuschauerrängen weiß man es immer besser als auf dem Platz – einfach weil man von oben und aus etwas Abstand den besseren Überblick hat. Ich will mich mit meinen Gedanken nicht über die Politiker stellen, denn ich hätte es selbst wohl auch nicht besser gemacht. Komplexität ist ja mehr als nur eine Steigerungsform von Kompliziertheit. Komplexes enthält verborgene Zusammenhänge, die wir nicht verstehen. Was nicht verstehbar ist, ist auch nicht steuerbar. „Unterkomplexe“ Lösungen bringen da nichts.

Der Umgang mit Komplexität ist für uns etwas völlig Neues. Wir haben das nicht gelernt. Aber jetzt stecken wir mittendrin. Und versuchen unsere Unsicherheit mit möglichst vielen Detailinformationen zu kompensieren. Das Ergebnis ist eine Informationsflut, der wir nicht mehr Herr werden. Als die sich lang hinziehenden Sondierungsgespräche platzten, waren noch hunderte Punkte ungeklärt.


Eine gemeinsame Vision

Wie kann man es das nächste Mal besser machen? Wo sich auf der Detailebene keine Kompromisse finden lassen, hilft ein Wechsel auf eine höhere Ebene, gewissermaßen in die Vogelperspektive, weg von den vielen Details. Das geht am besten mit der Sinnfrage: Wozu machen wir das hier überhaupt? Wofür sind wir hier zusammen? In der Politik – und hier kommt dann doch ein Vorwurf – sollte die Antwort irgend etwas in dieser Art enthalten: Um das Leben unseres 80-Millionen-Volkes zu verbessern. Politiker sind ja nicht gewählt, um zu herrschen, sondern um dem Volk zu dienen. Es geht nicht um Parteienkalkül oder Posten, sondern um das Volk.

Es ist nicht einfach, eine gemeinsame, genügend unscharfe Vision als Antwort auf die Sinnfrage zu finden. Vor allem nicht für Macher, die gleich loslegen wollen, und dafür Details brauchen. All die fraglichen Einzelthemen zu Flüchtlingen, Klima, Verkehr, Steuern, Digitalisierung, Arbeit oder Bildung sind Tagesgeschäft. Während man überlegt, wie man dies oder jenes Detail verändern kann, um das eine oder andere Problem zu lösen, gerät aus den Augen, daß alles miteinander zusammenhängt, und daß es deshalb etwas Großes und Ganzes zu gestalten gibt. Und es ist wirklich groß: In der durch Digitalisierung und Globalisierung unüberschaubar komplex gewordenen Arbeitswelt kommt gerade der größte Wandel seit der Industrialisierung in Gang. Er stellt so ziemlich alles Bisherige in Frage, nicht nur in der Wirtschaft. Die Diskussion, wie man denn aus Teilzeitarbeit wieder in Vollzeit wechseln könnte, wird der Herausforderung nicht wirklich gerecht. Es gilt vielmehr, ein völlig neues Verständnis von Arbeit zu entwickeln und ressortübergreifend alle Bereiche – von der Bildung bis zur Sozialversicherung – damit sozialverträglich kompatibel zu machen.

Diese große Sicht hat bisher keine Partei. Ich meine, das kann auch nicht Parteiaufgabe sein, weil Parteidenken definitionsgemäß immer nur einen Teil des Ganzen sieht. Mit den ganz großen, ideologieübergreifenden Themen sollte die Politik möglichst vielfältig gemischte Expertenteams aus möglichst weitsichtigen Querdenkern beauftragen, die sich einerseits unbehelligt von Tagesgeschäft und Medieninteresse, und andererseits vernetzt mit der Politik ihre Ideen entwickeln können. Ich denke, in solchen Teams könnte auch Platz für Hochsensible sein.


Falsche Blickrichtung

Eine gute Vision blickt nicht auf die Probleme, sondern auf die Möglichkeiten. Sie versucht nicht, etwas zu verhindern, sondern etwas zu gestalten. Leider ist unsere gesamte Gesellschaft, nicht nur die Politik, derzeit ziemlich negativ drauf. Man schaut auf das, was nicht geht, statt auf das, was geht. Man versucht, Fahrverbote, Terroranschläge oder die Klimaerwärmung zu verhindern. So, wie man versucht hat, die Finanzkrise, Trump oder die AfD zu verhindern. Achten Sie mal darauf, wie oft in den Nachrichten die Wörter verhindern, bekämpfen oder verbieten auftauchen. Und wie oft man etwas von gestalten hört.

Nachdem sich die früheren Heilsversprechen von Politik und Wissenschaft nicht erfüllten, wagen wir es kaum noch, in die Zukunft zu blicken. Die heutigen „Heils“-Versprechen der Digitalisierung können nur noch Technikbegeisterte freuen: Alles läßt sich vernetzen, Computer nehmen uns schwierige Entscheidungen ab, das Smartphone wird zur Fernbedienung für die ganze Welt. Doch daß uns die digitalen Maschinen angeblich alle arbeitslos machen werden, wirft einen düsteren Schatten auf unsere Vorstellungen von der Zukunft.

Hochsensible können ein Lied davon singen: Ihre stark ausgeprägte und eigentlich nützliche Fähigkeit, Zukünftiges gedanklich vorwegzunehmen, kann – wenn es sich um Negatives handelt – zu sorgenvollen, energiezehrenden Grübeleien führen. Doch das betrifft nicht nur Hochsensible. Den Hang zum Negativen, zur „German Angst“, tragen wir Deutschen schon lange in uns. Doch heutzutage ist die ganze Welt angesteckt von der Angst vor künftigen, durch Klimawandel, Terrorismus oder Finanzkrisen ausgelösten globalen Katastrophen. Dabei sind es nicht die Katastrophen selbst, die unser Leben bestimmen, sondern – so Ulrich Beck, Autor des Buches „Risikogesellschaft“ – die kollektive Erwartung dieser Katastrophen. Und das beeinflußt auch die politische Agenda. Das Problem dabei: Der Kampf gegen das erwartete Schlimme ist einerseits meist ein Kampf gegen Windmühlenflügel, und hat andererseits allzuoft dazu geführt, daß dieses Schlimme überhaupt erst eingetreten ist.


Das Gute erwarten

Es tut weder uns selbst, noch unserer Welt gut, nur auf das Böse zu sehen. Ja, es gibt das Böse. Es ist heutzutage deutlicher sichtbar als das Gute. Doch wenn uns darüber der Blick auf das Gute verloren geht – wie können wir uns für das Gute einsetzen? Wir brauchen es schon aus psychologischen Gründen, etwas Positives vor Augen zu haben, um nicht zu verbittern. Was wir anschauen, prägt uns. Das Gute zu suchen und zu stärken ist nicht einfach in einer Welt voller schlechter Nachrichten und böser Menschen.

Statt uns über schlechte Nachrichten oder böse Menschen zu entrüsten: Fragen wir doch, wie wir selbst es besser machen können, und was wir mit unseren Möglichkeiten an unserem Platz tun können, um das Leben ein Stück besser zu machen. Das ist die Frage nach der eigenen Berufung, diesem lebenslangen Wachstums- und Entwicklungsprozeß, der sich ja nicht auf die Frage nach dem passenden Beruf beschränkt. Anfangen können wir mit der Entscheidung, von anderen Gutes zu erwarten und ihnen gute Motive zu unterstellen – auch wenn gut gemeint oft schlecht gemacht ist. Damit können wir die Vereisung des sozialen Klimawandels wirksam aufhalten und zurückdrehen, denn selbsterfüllende Prophezeiungen funktionieren auch in die positive Richtung. Wäre das nicht eines der größten Geschenke, die wir einander zu Weihnachten machen könnten?

„Welt ging verloren, Christ ist geboren“ – mit gerade mal sechs Worten beschreibt ein altes Weihnachtslied das Drama und die Hoffnung unserer Welt. Mich trägt und motiviert diese Hoffnung sehr in dieser unruhigen Zeit. Denn der, dessen Geburtstag wir zu Weihnachten feiern, hat vorgelebt, wie das menschliche Miteinander gelingen kann. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.

Herzlichst,
Ihr Reimar Lüngen



„Ein Mensch ist manchmal wie verwandelt, wenn man ihn menschlich nur behandelt.“
– Eugen Roth



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> Beruflichen Wandel meistern



Termine und Infos

Meine Feelgood Manager-Ausbildung geht im neuen Jahr in eine neue Phase. Dennoch stehe ich auch weiterhin für Coaching zur Verfügung, lasse aber nach wie vor die reguläre Seminartätigkeit ruhen. Für spezielle Seminaranfragen, die ich langfristig eintakten kann, bleibe ich offen.


Newsletter

Das nächste Jahr wird für mich spannend. Trotz anstehender Veränderungen werde ich mein Coachingangebot aufrecht erhalten. Anderes könnte sich ändern – vielleicht der Newsletter. Wird er in dieser essayhaften Form weiter erscheinen? Tue ich noch das Richtige? Bediene ich noch ein Bedürfnis? Die Zahl der Rückmeldungen sinkt jedenfalls. Beim Schreiben dieser Ausgabe habe ich mich zudem gefragt: Stecke ich mit meinen Themen und meiner Sichtweise selbst in einer Filterblase? Ich habe noch keine Antworten, es gibt noch keine Entscheidung. Aber Sie sollen wissen, daß ich an diesen Fragen dran bin – damit Sie nicht allzu überrascht sind, wenn sich tatsächlich etwas verändert.


Weihnachtsferien

Ab 20. Dezember bin ich bis zum Jahresende dann mal weg. Aus Spam-Gründen verzichte ich wie üblich auf Out-of-office-Mails oder Anrufbeantworter-Ansagen – bitte haben Sie Verständnis. Im neuen Jahr bin ich dann wieder erreichbar und beantworte eingegangene Anfragen.


Seminaranfragen

Immer wieder werde ich gefragt, ob es Seminare, wie ich sie anbiete, auch anderswo als nur in Norddeutschland gäbe. Meines Wissens nicht – aber ich würde sie auch woanders halten, wenn ich eingeladen werde. Wenn es am Ort einen Ansprechpartner oder ein Team gibt, das bei der Organisation hilft und lokal auch ein wenig die Werbetrommel rührt, dann können wir mit wenig Aufwand Großes erreichen – natürlich zu beiderseitigem Nutzen, wie bisherige Veranstaltungen zeigen. Also: Wenn Sie mich als Referent einladen möchten, dann sprechen Sie mich gern an!

Mehr zu meinen Seminarthemen auf: www.RLuengen.de/termine



Beruflichen Wandel meistern

Sie sind frustriert im Beruf? Drohen auszubrennen? Langweilen sich zu Tode? Vermissen den Sinn? Wissen nicht, wie es weitergehen soll? Dann bleiben Sie nicht in Ihrer frustrierenden Situation! Sie riskieren sonst vielleicht sogar gesundheitliche Schäden. Warten Sie nicht, bis es zu spät ist.

Wenn Sie sich eine Veränderung nicht zutrauen oder nicht wissen, was Sie als nächstes tun sollen, dann stehe ich Ihnen mit Berufungscoaching und/oder Bewerbungscoaching gern zur Verfügung: Sie entdecken, was in Ihnen steckt, gewinnen Klarheit über Ihre Möglichkeiten, wissen, welche Richtung Sie einschlagen können, verstehen, wie der Bewerbungsprozeß funktioniert und präsentieren mutig einen Lebenslauf, auf den Sie stolz sein können.

Wenn Sie sich das wünschen, dann lassen Sie sich doch zu einem unverbindlichen und kostenlosen Kennenlerntelefonat einladen. Wir nehmen uns Zeit füreinander und ergründen, was Sie brauchen und was ich für Sie tun kann. Sie gehen kein Risiko ein: Nur wenn alles perfekt paßt, beginnen wir mit dem Coaching. Davor sind Sie zu nichts weiter verpflichtet.

So erreichen Sie mich:

Reimar Lüngen
Onckenstraße 11
22607 Hamburg

Tel. 040/28 41 09 45
E-Mail info@klaarkimming.org

Mehr Infos auf: www.KlaarKimming.org




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Stand: Dezember 2017
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