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Newsletter November 2012

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Liebe Leserin, lieber Leser,

der aktuelle Technikkatalog, den ich regelmäßig zugeschickt bekomme, hat mich mit der Nase drauf gestoßen. Ich schlug zuerst die Beleuchtungsseiten auf. Nach dem Glühlampenverbot will ich doch wissen, ob es inzwischen brauchbare Alternativen gibt. Doch gleich der allererste Satz im Kapitel Beleuchtung klingt wie Antiwerbung: "Dimmbare LED-Lampen lassen sich nicht gundsätzlich mit jedem Dimmer dimmen."

Der Katalog landete in der Ecke. Warum muß das alles bloß so kompliziert sein? Was bringt das denn? Gut, Energiesparlampen bringen Energieersparnis. Aber macht nicht gerade die dafür nötige höhere Komplexität das Erreichte wieder zunichte? Die Lampenhersteller machen ein Geheimnis aus dem Energieaufwand, der nötig ist, um diese Komplexität zu schaffen. Der Verdacht liegt nahe: Es kostet mehr Energie, eine Lampe energiesparend zu machen, als sie am Ende einspart.

Aber wenn wir es noch raffinierter machen, die Technik noch weiter entwickeln - könnte noch mehr Komplexität nicht doch noch das Ziel erreichen? Hilft viel nicht viel? Vielleicht. Ingenieure sind ja längst dabei, das mit immer neuen, noch höhergezüchteten Produkten auszuprobieren. In der Komplexität scheint eine Hoffnung, gar ein Heilsversprechen zu liegen. Kann es halten, was es verspricht?


Zukunftshoffnungen?

Die Computerwelt ist heute gleichermaßen größter Hoffnungsträger und größte Komplexitätsquelle. Alles, was sich digitalisieren läßt, digitalisieren wir - in der Hoffnung, daß es besser wird. Und das wird es ja auch: Ich genieße den völlig rauschfreien Klang meines neuen Digitalradios. Kein Vergleich mit dem nervigen Kratzen und Rauschen auf UKW, wenn der Empfang schlecht ist. Doch das Digitalradio ist digital: Entweder es spielt rauschfrei, oder es spielt überhaupt nicht. Bei schlechtem Empfang bleibt es stumm. Und der Computer im Innern - es ist digital - saugt die Batterien innerhalb weniger Stunden leer. Kein Vergleich mit dem alten Analogradio, das mit einem Satz Batterien wochenlang spielt.

Ich selbst habe als Programmierer viele Jahre lang Komplexität produziert. Ich war begeistert, was raffinierte Programmierung alles möglich machte. Aber ich hatte schon vor Jahren den Eindruck, daß uns das eines Tages über den Kopf wachsen könnte. Und ich setzte wenigstens an meinem Platz alles daran, der Komplexität der Aufgabenstellungen wenigstens ein gewisses Maß an Einfachheit in der praktischen Ausführung entgegenzustellen.

Als man begann, Computer in Netzwerken zusammenzuschalten, addierte sich die Komplexität nicht nur, sie multiplizierte sich. Wenn etwas nicht läuft, müssen wir immer mehr Fragen beantworten: Liegt's am Netzwerk? Ist irgendwo eine Verbindung unterbrochen? Ist ein Parameter falsch eingestellt? Liegt's an einem Computer? An welchem? Ist es die Hardware oder die Software? Ist es die Systemsoftware, die Netzwerksoftware oder die Anwendersoftware? Keiner fühlt sich zuständig. Einer schiebt die Schuld auf die anderen. Wo soll man da die Fehlersuche anfangen? Kein Wunder, daß überall die Kosten steigen und die Produktivität sinkt.


Gegenwartsfrust?

Selbstüberschätzung und Gigantismus in Projektteams treiben die Komplexität ins Uferlose. Überforderte IT-Administratoren verursachen immer mehr Fehler und Datenlecks. Die Auswirkungen von Pannen werden immer größer. So legte am letzten Oktoberwochenende eine Serverpanne bei Vodafone Millionen Mobiltelefone lahm und verhagelte den Kunden die Wochenendplanung.

Eine Schaltsekunde, die die Atomuhren auf die veränderte Erddrehung justieren sollte, legte erst im Juni dieses Jahres reihenweise Internetseiten lahm. Die Internet-Software konnte mit der 61. Sekunde in der Minute nichts anfangen und stürzte ab. Wo sie es nicht tat, startete sie unbemerkt eine nutzlose Programmschleife, die den Prozessoren alles abverlangte. Rechenzentren und Serverfarmen bemerkten oft erst Tage später den massiv gestiegenen Stromverbrauch.

Ein hochambitioniertes Gepäcksystem verzögerte 1995 die Neueröffnung des Flughafens Denver um 16 Monate und verursachte Milliardenkosten. Es wollte einfach nicht gelingen, die 300 Comupter und Tausende Sensoren zur Zusammenarbeit zu bewegen. Das Gepäck mußte wieder per Hand sortiert werden.

Ebenfalls 1995 scheiterte die Inbetriebnahme des computerisierten Stellwerks am Bahnhof Altona wegen eines schwer zu findenden Fehlers. Der Bahnhof lag tagelang still, das ganze Bahnnetz litt unter den Auswirkungen. Der Computer hätte nur wenig mehr Speicherplatz benötigt, um zu funktionieren. Ein Zurück zum alten Signalsystem gab es nicht, da alt und neu nicht miteinander kompatibel waren.

Aufgrund einer Computerpanne ging 1996 eine Ariane 5-Rakete samt Nutzlast verloren. Die Software stammte von der Ariane 4, aber die Ariane 5 flog schneller. Die zu hohen Meßwerte brachten erst den Computer zum Absturz, dann die Rakete. Schuld war pikanterweise ein Programmteil, der nur den Startvorbereitungen diente, aber nicht dem eigentlichen Flug. Auch die NASA hat ihre Computer nicht im Griff. So verlor sie 1998 ihren Mars-Orbiter, weil eines der beiden Programmierteams die Bahndaten in Metern berechnete, das andere in Fuß.

Wettercomputer ignorierten ungewöhnliche Meßwerte programmgemäß als Meßfehler und vereitelten so die Vorhersage des Orkans Lothar oder die rechtzeitige Entdeckung des Ozonlochs über dem Südpol.

Airbus versucht mit Computern menschliches Versagen im Cockpit zu kompensieren. Ausgerechnet das führt immer wieder zu Problemen. So stürzte ein A-320 ab, weil sich aus bis heute ungeklärten Gründen die Schubumkehr einschaltete, die eigentlich dem Abbremsen des Flugzeugs nach der Landung dient. Also schrieb man das Programm um: Schubumkehr nur, wenn sich die Räder drehen. Danach kam es 1993 zu einem Unfall in Warschau, weil Räder beim Bremsen auf regennasser Piste blockierten. Die Besatzung konnte die Schubumkehr nicht zuschalten, die Maschine schoß ungebremst über die Bahn hinaus.

Auch der Beinahecrash 2008 in Hamburg bei starkem Seitenwind war auf "Meinungsverschiedenheiten" zwischen Besatzung und Flugcomputer zurückzuführen: Erst beherzte Steuerbewegungen beider Piloten konnten den Computer davon "überzeugen", daß die Maschine noch flog.

Die Liste ist endlos: Computerpannen ließen Züge kollidieren, Schiffe sinken und Patienten sterben. Softwarefehler verfälschten Wahlergebnisse, Börsenkurse und Forschungsresultate. Banken verloren durch Computerfehler Milliardenbeträge, Firmen ihre Kundendaten, Armeen ihre Soldaten. Eine russische Gas-Pipeline explodierte, weil die im Westen gestohlene Pumpen-Steuersoftware einen Fehler enthielt. Das Jahr-2000-Problem gilt als die mit Abstand teuerste Panne der Industriegeschichte - nur weil vor lauter Komplexität niemand daran gedacht hat, daß sich mit zweistelligen Jahreszahlen kein Jahrtausendwechsel darstellen läßt. Bankkunden erlebten zehn Jahre später ein Jahr-2010-Problem auf ihrer Bankkarte, manche sogar ein Jahr-2011-Problem. Ein drohendes Jahr-2038-Problem ist schon ausgemacht - was wird es kosten, es zu verhindern?


Vergangenheitssehnsucht?

Wie schön war es doch früher, als sich Technik noch anfassen ließ! Aber war die Welt damals wirklich weniger kompliziert? Es gab auch früher Zeiten rasanter technischer Entwicklung. Wie heute die Entstehung des Datennetzes, so beeinflußten die Entstehung des Eisenbahnnetzes, des Stromnetzes oder des Straßennetzes den Alltag der Menschen ähnlich massiv. Es war zu jeder Zeit eine Herausforderung, mit den jeweils neuen Technologien umzugehen. So kam etwa in den Kindertagen des Stromnetzes keineswegs überall einheitlicher Strom aus einheitlichen Steckdosen.

Hurrikan Sandy zeigt gerade, wie abhängig wir auch von diesen älteren Technologienetzen sind, und wie unangenehm sich Störungen darin auswirken. In New York fährt die U-Bahn nicht, Millionen Menschen haben keinen Strom, und auf den Straßen herrscht Verkehrschaos.

So manches, was heute ein winziger Silizium-Chip erledigt, erforderte früher erheblichen mechanischen Aufwand. Aber eine mechanische Konstruktion, die etwas bewirkt oder absichert, kann man sehen. Man kann ausprobieren, ob sie funktioniert. Ob Software funktioniert, kann man nicht einfach sehen. Sie ist um ein Vielfaches komplexer als etwa ein Hebelwerk. Ihr Vorteil: Sie ist tausendfach kopierbar und deshalb meist ökonomischer als mechanische Lösungen. Doch damit ist auch ein Fehler tausendfach kopiert. Die Reihe von Einsen und Nullen, denen wir unkritisch unsere Autos, Züge, Flugzeuge, Kraftwerke und unsere Privatsphäre anvertrauen, hat ihre Tücken. Etwas mehr Besonnenheit und Bescheidenheit würden uns hier sicher gut tun.


Menschenverstand!

"Never change a running system" - "verändere niemals ein funktionierendes System" - ist seit langem der Wahlspruch der Informatiker. Viele laufende Projekte, von der Energiewende über die Rentenreform bis zur Zentralisierung Europas, tun aber genau das. Überall reißen wir Bewährtes auf, steigern die Komplexität weiter. Wie lange werden wir das noch beherrschen können? Und ... wie könnte eigentlich Vereinfachung als Problemlösung aussehen?

Neben dem geschätzten Digitalradio kommt mein lange unterschätztes Analogradio wieder zu Ehren. Es zeigt mir nämlich etwas: Der Mensch ist ein analoges Wesen. Ein Sender ist schneller analog gewählt, als aus den Tiefen digitaler Menüs geholt. Digital ist gut und hat seine Berechtigung. Aber digital ist nicht besser, nur weil es digital ist. Wenn wir in seinem Windschatten das Analoge aus dem Auge verlieren, geht uns etwas verloren. Ein Toningenieur brachte es auf den Punkt: "Die Digitaltechnik macht Musikaufnahmen einfacher. Aber eine digitale Musikaufnahme braucht mindestens einen analogen Zwischenschritt, etwa eine Bandaufnahme, um richtig gut zu klingen."

Nicht alles Neue ist gut, weil es neu ist. Nicht alles Alte ist schlecht, weil es alt ist. Fortschritt kann auch ein Schreiten von etwas fort bedeuten. Ich bin kein Fortschrittsfeind, aber ich huldige auch nicht blindem Fortschrittsglauben. Ich wünsche mir vielmehr bei allem, was "fortschreitet", wenigstens etwas Augenmaß, Besonnenheit und gesunden Menschenverstand. Dann können wir auch der Zukunft trauen.

Herzlichst
Ihr Reimar Lüngen



"Mache es so einfach wie möglich, aber nicht einfacher."
- Albert Einstein



Inhalt

> Demographie: Megatrend Downaging
> Termine im November
> Beruflichen Wandel meistern



Demographie: Megatrend Downaging

Ein neuer Anglizismus macht die Runde: Downaging bezeichnet das Phänomen, daß unsere Gesellschaft zwar immer älter wird, wir uns aber im Alter subjektiv immer jünger fühlen. Staunend stellen vor allem Marketingexperten fest, daß sich zwischen dem 55. und dem 75. Lebensjahr eine völlig neue Lebensphase herausbildet, die sie bisher noch gar nicht im Fokus haben. Menschen in dieser Spanne sind heute gesünder, vitaler und aktiver als früher. Zwei Jahrzehnte erfülltes Leben liegen vor ihnen - kein Wunder, daß sie noch mal richtig Lust auf Neues haben.

Es lohnt sich deshalb, auch jenseits der 50 wieder die Frage nach der eigenen Berufung zu stellen. Berufung wandelt sich ständig, sie führt uns immer wieder in neue Lebensfelder und läßt uns dabei wachsen. Sie selbst wächst mit uns und stellt uns deshalb immer wieder vor neue Herausforderungen. Auch nach dem Eintritt in den Ruhestand haben wir das Bedürfnis, etwas zum Ganzen beizutragen. Finden wir keine Möglichkeit, uns sinnvoll einzubringen, dann werden wir buchstäblich alt.

Und auch mit 75 muß noch nicht Schluß sein. Marc Chagall beispielsweise hat nach einem erfüllten Leben als Maler mit 70 ein neues Tätigkeitsfeld entdeckt: Die Gestaltung von Glasfenstern. In dem Bereich war er dann mit der Ruhe und Abgeklärtheit des Alters noch fast 3 Jahrzehnte tätig. Mit 98 vollendete er seinen letzten Auftrag, kurz darauf starb er.



Termine im November

Meine Seminartätigkeit läuft nach wie vor auf Sparflamme - auch wegen des derzeit außergewöhnlich hohen Kundenandrangs. Es ist noch nicht entschieden, ob im Dezember ein Seminartermin hinzukommt. Aber "es ist nicht alle Tage. Ich komme wieder, keine Frage!"

In der Christlichen VHS in Hamburg-Farmsen gebe ich mein bisher erfolgreichstes Seminar Im Spannungsfeld von Beruf und Berufung. Termin ist Dienstag, der 27. November um 19:00 Uhr. Wenn sich alles verändert, gewohnte Sicherheiten wegbrechen und nichts mehr trägt, ist Umdenken nötig. Das Seminar schafft Verständnis für die oft beängstigenden Veränderungen in der Arbeitswelt, wie auch in persönlichen Lebensentwürfen, und entdeckt, wie beides zusammenpaßt. Ein ermutigendes und aufbauendes Seminar. Die Anmeldung erfolgt direkt über die CVHS.

Weitere Infos und Anmeldelink auf: www.RLuengen.de/termine/termine.html#m021


Neulich fragte man mich, ob es solche Seminare, wie ich sie anbiete, auch anderswo als nur in Norddeutschland gäbe. Meines Wissens nicht - aber ich würde sie auch woanders halten, wenn ich eingeladen werde. Wenn es am Ort einen Ansprechpartner oder ein Team gibt, das bei der Organisation hilft und lokal auch ein wenig die Werbetrommel rührt, dann können wir mit wenig Aufwand Großes erreichen - natürlich zu beiderseitigem Nutzen, wie bisherige Veranstaltungen zeigen. Also: Wenn Sie mich als Referent einladen möchten, dann sprechen Sie mich gern an!

Mehr zu allen Seminaren auf: www.RLuengen.de



Beruflichen Wandel meistern

Sie sind frustriert im Beruf? Drohen auszubrennen? Langweilen sich zu Tode? Vermissen den Sinn? Dann bleiben Sie nicht in der Ihrer frustrierenden Situation! Sie riskieren sonst gesundheitliche Schäden.

Wenn Sie sich eine Veränderung nicht zutrauen oder nicht wissen, was Sie tun sollen, dann stehe ich Ihnen mit Bewerbungs- oder Berufungscoaching gern zur Verfügung: Sie entdecken, was in Ihnen steckt, gewinnen Klarheit über Ihre Möglichkeiten, wissen, welche Richtung Sie einschlagen können, verstehen, wie der Bewerbungsprozeß funktioniert und präsentieren mutig einen Lebenslauf, auf den Sie stolz sein können.

Wenn Sie sich das wünschen, dann lassen Sie sich doch zu einem unverbindlichen und kostenlosen Kennenlerngespräch einladen. Wir nehmen uns Zeit füreinander und ergründen, was Sie brauchen und was ich für Sie tun kann. Sie gehen kein Risiko ein: Nur wenn alles perfekt paßt, beginnen wir mit dem Coaching. Davor sind Sie zu nichts weiter verpflichtet.

Reimar Lüngen
Onckenstraße 11
22607 Hamburg

Tel. 040/28 41 09 45
E-Mail info@klaarkimming.org

Mehr auf www.KlaarKimming.org




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